Log 017 - Alleine sein.

Ein sehr trüber Tag bisher. Keine Sonne, nur bedeckter Himmel. Ich habe den ganzen Vormittag das neue Video geschnitten. Ich musste einen großen Part neu aufnehmen, da ich gestern einen Fehler bei der Aufzeichnung gemacht hatte. Habe den Zoomfaktor nicht in Weitwinkel zurückgefahren. Mein Gesicht war nur halb drauf. Habs nicht bis um 10 h geschafft das Video zu veröffentlichen. Es wurde halb 12.
Cool, ich habe wieder 4 Abos auf YouTube dazu bekommen habe. Ich werde es aber überdenken müssen, jede Woche ein Video zu machen. Ich glaube alle 2 Wochen, ein Video muss reichen. Ich kann auch nicht jeden Tag einen Logbucheintrag auf meiner Webseite anlegen. Ich schreibe nicht jeden Tag was Sinnvolles. Zumal die Webseite noch nicht mal wirklich geplant ist. Wo soll ich das alles hinschreiben?
Zum Glück habe ich einen guten Freund von mir, der das professionell macht. Frank hat eine Firma die was mit Webseiten macht. A designer who loves to code, schreibt er selbst über sich. Ich werde die nächsten Tage mal mit dem Frank telefonieren und über meine Webseite sprechen. Ein Batzen Arbeit liegt da vor mir, um meinen Sozial-Media-Auftritt zu organisieren. Ich werde auch wieder viel dabei lernen können.
Der Wind nimmt jetzt deutlich zu. 50 km/h hat er jetzt schon in Böen. Es soll heute Nacht hoch bis 70 km/h gehen.
Ich schlaf jetzt im Salon. In der Eignerkabine schlägt das Wasser immer so laut gegen den Rumpf. Man kann dort schon gut schlafen. Das große Bett und der Platz sind natürlich super, das Wasser am Rumpf ist nur ein bisschen nervig beim Einschlafen. Mit Ohropax oder nem Podcast geht das Einschlafen bei mir eh immer recht gut.
 Klar, man muss in Kauf nehmen, dass man auf einem Boot nicht immer gut schläft. Der Grad an Verantwortung für alles drum herum ist auf dem Wasser was ganz anderes als an Land in einer Wohnung oder Haus.
Ich vermisse die Katzen und Jo. Sier hat mir gestern Katzenvideos geschickt und ich musste heulen wie ein kleines, trauriges Kind, das seine Mama vermisst. Ist echt krass. Bin mal gespannt, wie das bis Mitte Dezember wird. Bis dahin bin ich praktisch alleine. Ich kann mich hier gut mit mir selbst beschäftigen und nichts und niemand nervt. Ich mein wirklich nichts. Das ist so toll. Einsamkeit an sich empfinde ich (noch) nicht. Ich denke auch, dass mich das nicht sonderlich belasten wird. Ich war bisher gerne mit mir alleine. Klar, es ist was anderes, ständig ein Angebot zu haben. Ich mein immer, wenn ich in meinem alten Leben Bock hatte, konnte ich einfach zur Türe raus und den Kilometer in die Gustavstraße radeln.
Das gibt es hier überhaupt nicht. Ich kenne hier niemanden und auch keine Kneipenstraße. In Heiligenhafen gäbe es so was Vergleichbares. Aber nicht wirklich. Erstens ist Heiligenhafen 10 km entfernt und zweitens ist es dort eher Ballermann für Turis. Für mich ist da nichts dabei. Ich mag so was Oberflächliches nicht. Alles ist dort auf Konsum von reichen Leuten ausgelegt. Uhren, Schmuck, Ballermannkneipen etc. Das alles was mir beim Skifahren schon immer auf den Nerv ging. Wenn ich so etwas sehe, zweifle ich an der Menschheit.
Es ist so unglaublich leise hier. Kein Autolärm. Keine Geräusche außer die Leinen, die gegen den Mast schlagen und das Wasser. Ich höre meinen Tinitus viel stärker. Da sollte ich mich mal drum kümmern. Angeblich geht da was mit Hörgeräten.
Gestern Abend habe ich ja meinen Monitor, den ich mit aus meiner alten Wohnung mit gebracht habe, aufgestellt und auf Netflix QatsStudio geschaut. Krasse Indi-Serie. Eine echte Empfehlung. Das mit der Internetverbindung muss ich auch noch proffesionalisieren. Im Moment habe ich ne Prepaid Karte von der Telekom die ich immer wieder aufladen muss. Das ist keine Lösung auf dauer. Deutschland und sein Internet. Man man man.
Heute bin 3x raus aus meinem Boot und hab einmal versucht zu filmen. Mal schauen, was da dabei verwertbar ist. Die vielen Einstellungen an der Sony sind so unübersichtlich. Zumal ich praktisch keine Ahnung vom filmen habe. Der Wind ist krass. Kann mich nicht erinnern, je so viel Wind erlebt zu haben. Live Wetter hat in Böen 80 km/h gemessen. Durchschnittlich waren es 43 km/h. 
Bin dann auf dem Sofa im Salon eingeschlafen.

Log 016 - Das neue Leben begint jetzt.

Mir geht es wesentlich besser. Habe auch super geschlafen. Erst bin ich im Salon auf der Couch so gegen 19.30 Uhr eingeschlafen und bin dann irgendwann nachts in die Kabine hinter ins Bett gekrabbelt. Dementsprechend bin ich um 6 Uhr mit dem Morgengrauen aufgewacht.
Und es ist wirklich buchstäblich Morgengrauen. Gestern gegen späten Nachmittag war es ja recht schön geworden. Wenig Wind und die Sonne kam raus. Jetzt aber ist es wieder grau. Der Wind bläst auch wieder stark mit 67 km/h diesmal hat er sich von Süd-West weg auf fast genau Süd gedreht. Jetzt bläst es genau in mein Cockpit rein. Toll. Hab ein Handtuch vor den Verschluss des Niedergangs gehängt damit es nicht so reinbläst.
Wir haben ca. 14 °C aber durch den Wind kommt es mir vor als wäre es unter null. Heute früh habe ich mal den elektrischen Boiler für das Warmwasser getestet und auch gleich die Zeit gemessen wir lange ich ihn laufen lassen muss um warmes Wasser zu haben. Nach 20 Minuten hat es gute Handwärme und reicht zum Geschirr spülen. Nach 40 Minuten ist es heiß und man kann den Boiler wieder abschalten. Immerhin sind das 70 Liter Wasser. Warmes Wasser kann ich auch über den Motor und über die Dieselheizung betreiben. Ist schon recht kompfortabel mein Schiffchen.
Nach den fast 2 Tagen an Bord, an denen ich (auch) an meinem Vorhaben zweifelte, ist es heute wieder genau das Gefühl das ich hatte, als ich die Idee das erste Mal auf Papier brachte. Ich bin wach und voller Drang Dinge zu erleben. Nichts auf dieser Welt wird mich aufhalten viele Ecken dieses Planeten zu sehen. Ich weiß so sicher, dass ich unbedingt Entdecken muss. Das Skitouren und das Mountainbiken haben mir dieses Gefühl schon ein bisschen gegeben. Aber ich weiß das was ich jetzt vorhabe, wird alles in den Schatten stellen was ich bisher erlebt habe. Was für eine großartige Vorstellung. Hoffentlich bin ich auch so enthusiastisch was die Reparaturphase angeht.
Jetzt gibts aber erst mal einen Kaffee. Heute muss ich richtig Einkaufen gehen. Das gestern war nur für Milch und Cuba Libre. Ich musste auch erst mal erkunden wo es was gibt. Einen echten Bäcker finden wird nicht so einfach werden. Wahrscheinlich gibt es hier auch viele Bäckereiketten die nur Aufbacken.
Ich freu mich so sehr darauf immer wieder alles neu zu suchen und zu erfahren. Aufwand betreiben zu müssen um die alltäglichen Dinge zu organisieren. Mit fremden Menschen zu interagieren, Persönlichkeiten und Freunde finden. Diese Energie die ich bei diesen Gedanken in mir spüre ist der Hammer. Btw… Wäsche waschen muss ich auch noch. Uff, die Energie lässt nach.
Selbst diese rudimentären Dinge sind nicht einfach zu Handlen. Gibt es dort Waschpulver und einen Trockner? Wie komm ich da mit der Wäsche hin und wieder zurück? Muss ich darauf warten und die dreieinhalb Stunden daneben im Waschsalon sitzen? Was mach ich in dieser Zeit?
Komme gerade wieder vom Einkaufen und vom Wäsche waschen zurück. Jetzt ist die Wäsche im Trockner und ich freu mich meines Lebens. Hier in der Werftmarina gibt es einen eigenen Waschsalon. Da ich einer der sehr wenigen Gäste der Marina bin, habe ich auch 2 Waschmaschinen und 2 Trockner für mich. Ich hatte seit über zwei Wochen keine Waschmaschine mehr zu Verfügung und daher viel Wäsche.
Inzwischen ist es später Nachmittag geworden und ich hab mir ein Bier aufgemacht. Ein Klüvers Pils. Ist wohl ein Craftbeer. Wie sich das jetzt von einem Traditionellen unterscheidet weiß ich nicht. Schmeckt schön kräftig, Herb und frisch ohne Schnickschnack. Nix von fruchtig oder so was. Nebenbei höre ich HR3 – Der Tag vom 29.9. Sendung über die CDU/CSU und Laschet und lebe in den Abend rein. Für mich eine Wohltat nicht mehr die Union als Regierung sehen zu müssen. Ich hoffe das bleibt so und die SPD baut kein Scheiß. Ich weiß, da spricht ausschließlich der Optimist aus mir. Eigentlich kann mir ja fast egal sein. Lange bin ich eh nicht mehr in Deutschland. Am Abend schau ich mir noch ein paar Videos von meinen Segelkanälen auf YouTube an und schlafen dabei ein.

Log 15 - Der erste Tag.

Nachdem ich so gegen 6.30 Uhr aufgewacht bin, konnte ich mir nicht mal einen Kaffee kochen. Hab keine Milch. Also Kaffee hätte ich kochen können, habe ja einen aus Fürth von meinem Kaffeehändler meines Vertrauens mitgenommen. Ein Danke an der Stelle für die Kaffeerösterei Lapuzia in Fürth. Aber Kaffee ohne Milch macht für mich wenig Sinn. Ich habs mit der Trockenmilch die Per übrig gelassen hat versucht. Bäh. Gott, ist das wiederlich.
Immer noch ist viel Wind. Nicht viel schwächer als heute Nacht. Hab noch ein Paar Sachen aus dem Auto geholt und ins Boot gebracht. Bei der Gelegenheit bin ich dann in den nahe gelegenen Nahkauf gefahren und hab ein paar Lebensmittel besorgt. Milch zum Beispiel.
Inzwischen ist es Mittag. Dafür, dass ich wenig machen wollte, hab ich schon wieder viel zu viel den kleinen Mann in meinem Hirn gehört der mich immer wieder in den Arsch tritt und antreibt. Den Typ sollte ich langsam aber sicher loswerden. Der ist es der mich nervt.

Als ich zurückkam, hab ich einen Stop im Büro der Werft eingelegt. Da lernte ich Herrn Schwarz persönlich kennen. Das ist der Inhaber der Werft. Mit ihm habe ich den groben Zeitplan abgesprochen und er bot mir die Werftwohnung im Haus an solange mein Boot repariert wird. Ich hab schon wirklich Glück ohne Ende. Hammer. Auch der Preis ist mit 650€ im Monat außergewöhnlich günstig. Der klare Vorteil ist, ich habe keine Anreise um am Boot arbeiten zu können. Erst dachte ich mir, eine Airbnb-Wohnung zu suchen. Aber die Preise in der Nähe der Werft sind astronomisch. Unter 1500 Euro für die Woche findet man da nichts. Das ist alles zu nahe am Meer und für die Touris gedacht.

Ich habe wohl wieder ein bisschen Seekrankheit. Mir ist flau im Magen und habe Kopfschmerzen. Ich habe nie Kopfschmerzen. Es ist aber auch echt schlechtes Wetter. Es scheint zwar die Sonne aber es hat immer noch viel Wind und das Boot bewegt sich ziemlich stark. Ich hatte laut Anzeige eine maximale Krängung von 15°. Und das in der Marina. Zum Teil hat es hier 77 km/h Böen aus Süd/West und es bläst in mein Cockpit rein.
Ich setzte mich jetzt in den Salon und rufe alle wichtigen Menschen an um ihnen zu sagen, dass ich gesund und munter angekommen bin und das Boot in Ordnung ist. Das nahm den ganzen Nachmittag in Anspruch.
Zum Abend hin hat der Wind merklich nachgelassen. Praktisch keine Böen mehr und eine angezeigte Geschwindigkeit von 26 km/h ist doch wirklich viel angenehmer.
Ich habe beschlossen die nächsten Tage so wenig wie möglich zu machen. Ein bisschen an den Kameras spielen, meine Webseite planen. Einfach ein paar leichte Dinge. Die Heizungsgeschichte schaue ich mir erst die nächsten Tage an. Noch ist es verhältnismäßig warm in der Nacht. Unter 14° geht die Säule nicht. Somit ist auch das Heizungsproblem eher eine akademische Geschichte. Es wird Abend und ich mach mir einen Cuba Libre und setzte mich ins Cockpit und genieße den Sonnenuntergang. Wow. So kanns schon auch weitergehen.

Log 014 - Kein Weg zurück

Alles erledigt. Die Wohnung ist leer, ich habe meine übrig gebliebenen Sachen untergestellt, das Auto ist voll und ich bin startklar.

Die Beerdigung war wie eine Beerdigung so ist. Dass ich dort vor einem guten Jahr meine Rede zu meines Vaters Tod unter Tränen gehalten habe, war noch sehr präsent. Fast ein wenig zu präsent. Schön war es dann aber irgendwie dennoch. Ich habe Menschen getroffen, die schon seit über 30 Jahre nicht mehr gesehen habe.
 Die letzten Wochen waren anstrengend. Zum Glück hat alles recht gut geklappt. In der Rückschau liefen die letzten 12 Monate überraschend gut. Das Haus meines Vaters verkaufsfähig zu machen hat alleine 6 Wochen gedauert. Da sind einige Dinge schiefgelaufen. Wasser- und Heizungsrohrbruch z.B. Das ganze Wohnzimmer musste renoviert werden. Zwischen drin sah es so aus, als würden wir keinen Käufer finden. Doch dann ging alles schnell. Innerhalb von 4 Wochen war alles erledigt. Sogar die Kohle war da. Um die Firma hat sich mein Bruder gekümmert. Vielen Dank dafür.
Jetzt liegen Knapp 750 km vor mir. Mein altes Leben ist definitiv zu Ende. Es gibt jetzt im Moment zumindest keinen einfachen Weg mehr zurück. Diese Endgültigkeit ist schon krass. Eine ganz neue Emotion bemerke ich in mir. Ist das Freiheit? Ich lasse den Motor an und fahre los. Auf die A73, Auffahrt Fürth-Poppenreuth Richtung Norden. Nach dem ich schon einige Male nach oben über die A7 gefahren bin und der Verkehr und die Baustellen mich so nerven fuhr ich schon die letzten zwei Mal über die A73 und die A71 Richtung Erfurt. Bei Sassen gehts dann über die B4 zurück auf die A7 bis Hamburg und dann auf die A1 nach Heiligenhafen/Großenbrode.
Es ist inzwischen 17.00 Uhr und ich bin an meiner neuen Behausung angekommen. Ich gehe noch ins Büro der Marina und hole meine Schlüssel ab, ein paar kurze Wortwechsel mit dem Meister der Werft und ich laufe mit 2 Rollwagen der Marina Richtung Boot. Juhu, es schwimmt noch und es sieht alles so aus wie ich es verlassen habe. Ich öffne es und ziehe die Luken aus dem Rahmen des Niedergangs. Es richt ein bisschen Moder. Na ja, steht auch seit über 5 Wochen geschlossen rum.
 Es hat viel Wind und es ist bedeckt. Ein bisschen Trübe, auch mein Gemüt ist ein bisschen angekratzt. Ich erinnere mich dass es mir schon seit ein paar Tagen so geht. Es ist alles anders als vorher. Bin ich jetzt angekommen? Tatsächlich sehe ich mich im Moment noch eher weg von allem Alten als dort im Neuen angekommen. Ich denke das wird sich wohl geben. Habe einige Dinge an Bord gebracht. 2 von den 6 Umzugskartons ein paar kleinere Sachen, Kabel, Monitor, Küchenutensilien, ein paar Bücher. 
Es war verhältnismäßig kalt. Hab die Heizung angeschaltet und fast das Boot abgefackelt. Ich glaube irgendwie ist der „Schornstein“ viel zu heiß geworden und es hat das Holz unter dem Bett in der Eignerkabine und ein nahe liegendes Kabel angekokelt. Eine ziemlich starke Rauchentwicklung hat es gegeben. Zwar hat der Rauchmelder über dem Kartentisch noch nicht Alarm geschlagen, aber wenig Rauch war es auf keinen Fall. Der erste Punkt auf der ersten To-do-Liste steht. Rauchmelder in der Eignerkabine anbringen. Zum Glück habe ich es wohl noch früh genug bemerkt und die Heizung sofort wieder abgestellt und hab gelüftet. Alles ist gut gegangen. Leider habe ich noch gar keinen Plan an was das liegt. Meine Vorstellung ist, dass kein Wasser im Überdruckbehälter war und dadurch das ganze System überhitzte oder, dass der Schornstein an sich nicht dicht ist. Da muss ich noch auf die Suche nach der Ursache gehen. Aber nicht mehr heute Abend. Es ist inzwischen 20 Uhr und ich habe noch nichts gegessen. Ich mach mir auf die Schnelle ein paar Nudeln mit Pesto. Das hatte ich an Bord gelassen bevor ich zurück nach Fürth gefahren bin.
Der Wind in der Nacht war krass. Die Böen erreichten über 70 km/h. Das Schlagen des Wassers an der Bordwand war echt laut. Auch das Klingen der Leinen am Masten war nervig. So nervig, dass ich um 23 Uhr in Unterhose auf das Deck bin und habe mit zwei kurzen Schnüren die klappernden Leinen festgemacht. Ist das jetzt meine erste richtige Nacht an Bord alleine? Also die erste Nacht nach allem hinter sich lassen? Wow. Die Menge an Gedanken die mir da durch den Kopf gehen sind noch völlig unsortiert. Ich hoffe ich bekomme das alles in Griff. Ich schau mir noch eine Folge Star Trek Voyager an und schlafe ein.