Log 029 - Der Winter kommt.

Hallo Festland.

Ich bin zur Zeit in Givlös läge. 
Mein Gast Lika hat mich nun nach 45 Tagen verlassen. Seglerisch haben wir einiges zusammen erlebt. Die erste Nachtfahrt- und nächtliche Hafeneinfahrt. Ankern vor einer wunderschönen Steilküste. Bis auf einmal sind wir immer gegen die Welle und gegen den Wind gesegelt. 
Ja, es war schönes und anstrengendes dabei. Bornholm gehörte bis auf die Anfahrt in den Hafen von Svaneke zu den schönsten Orten die wir besuchten. Simrishamn gehörte wohl eher zu meinen schlechteren Erfahrungen. Dort verbrachte ich meine Coronaerkrankung. Obwohl die Stadt an sich sehr schön war. Gemütliche Cafés, Bars und Restaurants. Auch gab es eine schöne Einkaufsstraße mit vielen kleinen Läden. Vom italienischen Supermarkt, bei dem ich zu einem sehr guten Buffalo Mozzarella gekommen bin, bis zu einem kleinen süßen Hutladen, gab es alles, was es braucht.
Naja, außer dem Mozzarella brauchte ich nichts von dem Angebot, das uns Simrinshamn darbot.
Der Törn nach Bornholm war allerdings super. Wind von 165° und wir ritten wunderschön über die Wellen. Die Anfahrt auf den Hafen von Svaneke war allerdings die hässlichste Nummer, die mir bisher Seglerisch begegnet ist. Eine Mörderwelle von 2 Metern, die alle 15 Sekunden von Osten anrauschte und viele Felsen in unmittelbarer nähe zur Hafeneinfahrt. Dabei sei angemerkt, dass die Einfahrtstonne bei dem Seegang sehr schlecht sichtbar war. Das nächste Mal fahre ich in so einer Situation, wenn möglich einen anderen Hafen an.

Ich warte hier nun in Gislöv läge bis 8. Okt. auf Britti. Die letzten Törns dieses Jahres in meinen Winterhafen nach Taarbæk stehen an. 
Das könnten bei guter Wetterlage noch 9 Stück sein. Im schlimmsten Fall sind es nur 3. Bis 23. Okt. sollte ich dort sein. Dann verlässt mich Britti. Alleine fahren möchte ich noch vermeiden. So gut kann ich einfach noch nicht bei Wind an- und ablegen.
Für den Winter habe ich mir inzwischen einige Szenarien zusammen gedacht. 
Im groben steht zur Auswahl nach Bayern zu fahren oder hier im Norden bleiben.
Reise ich nach Bayern um meine Familie am Heiligen Abend zu besuchen und sie mit einem Festmahl zu bekochen, möchte ich im Januar auch bei meinem Freund Markus in Verbier vorbei schauen. Sollte ich aber nicht nach Bayern fahren, werde ich mir hier über den Januar ein Wohmo oder ein Auto leihen und nach Norwegen zu Skifahren fahren.
Wenn ich mich Entscheide nach Deutschland und in die Schweiz zu Reisen bin mir noch nicht über die Art der Verkehrsmittel sicher. Ich kann bisher nur den PKW ausschließen.
Somit schaute ich mich nach einer Zugverbindung Kopenhagen, Bonn, München, Verbier und wieder zurück nach Kopenhagen um. Warum Bonn? Dort wohnen sehr liebe Freunde von mir, die ich auf diesem Weg besuchen könnte. Wie es aber nicht anders zu erwarten ist, Zug ist unglaublich teuer und die Verbindungen sind zum Haare raufen. Es muss viel mehr für die Schine ausgebenen werden. Das ist eine einzige Katastophe. Eine Verspätung und ich sitzte einen Tag fest.
Nun kommen wir zum Fliegen. Natürlich ändert sich dementsprechend der Weg und der Zeitplan ein wenig. Ich müsste Bonn auslassen. Die Route wäre Mitte Dezember von Kopenhagen nach Genf, am Heiligen Abend nach München und wieder zurück nach Genf und Ende Januar nach Kopenhagen zurück. Sollte ich noch im Oktober diese vier Flüge buchen, kosten diese zusammen (nur) 350 Euro. Insgesamte Reisezeit 24 Stunden. Es ist zum Haare raufen hätte ich welche.
Zum Vergleich mit einem geliehenen Auto, dazu einige Hotels und geschätzten Benzinkosten käme ich auf sage und schreibe über 4000 Euro und 3 Tage. Mit dem Zug würde die Reise 1000 Euro kosten und würde 5 Tage in Anspruch nehmen. Beim Zug und bei dem Auto wären es eine Destination mehr (Bonn) als mit dem Flugzeug. Natürlich sind auch hier 3 Übernachtungen mit eingepreist, wobei die nicht viel kosten würden. Zug kann man im übrigen zu dem jetzigen Zeitpunkt noch nicht Buchen.
Eine Entscheidung ist daher noch nicht gefallen. Vielleicht mische ich auch die Verkehrsmittel. Schau mer mal, dann seh mer scho.

Aber nun zur Lage in Gislöv läge. Ich befinde mich seit nun 10 Tagen hier und warte auf die liebe Britti. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag kam verhältnismäßig viel Wind auf. Zum Teil über 35 Kn. Um ca 3 Uhr riss die Sicherungsleine an der Spring, die bei mir an der mittleren Planke befestigt ist. Ich habe dort 2 Leinen übereinandergelegt. Eine feste Leine und eine mit einem Gummipuffer. Die mit dem Gummipuffer riss und das Schiff rauschte mit Schwung in die feste Leine hinein. Da der Wind von ca 40° Steuerbord kam, nahm meine Arche richtig Schwung und prallte mit der Steuerbordseite an die Piermauer. Zum Glück fingen die Fender und meine neu angebrachten Prallleiste alles ab und es gab keine nennenswerten Beschädigungen am Schiff. Allerdings war die Schiffsbewegung und die Geräusche ultra angsteinflößend. Ich lag zu der Zeit im Salon auf dem Sofa, bin beim Netflixen eingeschlafen, und das alles passierte praktisch neben mir. Ich schreckte auf und sprang sofort an Deck. Ich sah die gerissene Leine und war erleichtert, als ich die Sicherungsleine bemerkte, in die das Schiff immer und immer wieder reinfiel. Dann dachte ich kurz, dass Boot hat Wasser genommen, weil es deutlich tiefer lag als am Abend zuvor. Ich realisierte, dass alle anderen Boote am Pier gleichfalls tiefer lagen. Also erst mal Entwarnung. Ist wohl so was wie Ebbe.
(Kleines Trivia: In Norddänemark an der Grenze zur Nordsee kann Ebbe und Flut im Max auch mal 50 cm betragen. In der mittleren Ostsee, wo ich mich befinde, normalerweise nur 10 cm. Was diesen deutlichen Wasserspiegelunterschied ausmacht, ist der steigende Luftdruck, der durch ein herankommendes Hochdruckgebiet entsteht. Der drückt die Wasseroberfläche nach unten und es erscheint, als wäre Ebbe.)
Ich musste also die gerissene Leine mit dem Gummipuffer lösen und sie wieder neu anbringen. Das dumme dabei war nur, dass die mittlere Planke mit der Sicherungsleine über der restlichen Leine mit dem Gummipuffer lag. Ich müsste also die Leine lösen, in der gerade die Hauptlast des Schiffes lag. Also immer wenn das Schiff einen Windstoß abbekam, fiel die Arche in diese Leine hinein. Ich konnte diese also nicht lösen, da das Risiko zu groß war, auf das hinter mir liegende Fischerboot zu krachen. Ich musste zunächst erst vorne noch eine weitere Leine legen, die mir es ermöglichte, die Mittelplanke zu lösen. Zu guter Letzt fing es auch noch das Regnen an. Zum Glück nur relativ wenig und nur kurze Zeit. Es reichte natürlich um durchnässt zu werden.
Ich schaffte es, das Boot wieder einigermaßen zu sichern. Nicht völlig perfekt, aber soweit, dass es nicht mit jedem Windstoß in die Sicherungsleine krachte.
Alles in allem hatte ich meine Arche am nächsten Mittag wieder schön und ruckfrei unter Kontrolle. 
Wiedereinmal ein Test, ob ich das, was ich hier treibe, ertrage und mich mit beunruhigenden Situationen ausreichend auseinandersetzten und überlegt Handeln kann. Das wird nicht der Letzte sein.
Ich freu mich, wenn es in ein paar Tagen in Richtung Winterlager geht.

Log 028 - Bornholm Teil 2. Eine ganz normale Woche

Was einem als erstes Auffällt, wenn man auf Reisen ist und keinem geregelten Job nachgeht, ist, dass man die Wochentage vergisst. Zum Teil vergisst man sogar den Monat, in dem man sich befindet. Ich brauchte nach dem Monatswechsel eine Woche lang und richtig Konzentration, um zu bemerken, das wir schon im September sind.
Ich mache fast täglich über mehrere Stunden Sport. Meistens Parkour, Joggen und Mountainbiken. Die Strecken hier auf der Ostseite von Bornholm sind unglaublich. Da ist wirklich alles dabei. Ich kann über die riesigen Felsen, die in das Meer ragen, supergut Parkour laufen, springen, hüpfen und klettern. Das Körpergefühl, das ich hier in einem Monat zurückgewonnen habe, ist beeindruckend. Zu was ich alles wieder in der Lage bin, kann ich immer noch nicht wirklich wahrhaben. Ich bin Trails mit dem Mountainbike hier auf Bornholm gefahren, wie ich sie noch nie vorher gefahren bin. Rauf, runter über Steine und durch sehr ursprüngliche Wälder. 
Die Schönheit Abwechslung der Natur ballt sich hier auf der Insel. Vom Sandstrand bis Wanderwege wie in den Alpen. Wasserfälle und Flüsse, unfassbar viel grün und schroff. Zum Herbstbeginn sind auch allerhand Früchte reif. Äpfel, Mirabellen, Brombeeren, Schwarzbeeren, Birnen und das alles einfach am Wegesrand. Man geht hier Joggen und Essen. Ich kann inzwischen sagen, ich liebe den Norden von Europa. Sowohl vom Klima als auch die Menschen und die Natur. Ich kann wirklich nur jedem raten, zum Ende des Sommers hier Urlaub zu machen. Vor allem aktiven Urlaub.

Genug des Lobes über den Norden. Es gibt auch ein bisschen Negatives.
 Wir sind hier in Svaneke Havn seit 12 Tagen. Da es in den meisten Häfen keine Hafenbüros mit Hafenmeister mehr gibt und diese durch Automaten ersetzt wurden, haben leider viele dieser Häfen einen Teil ihres Charmes eingebüßt. Eine Übernachtung kostet hier umgerechnet 50 Euro. Das ist für alle Häfen, die ich bisher im Norden besucht habe, wirklich teuer. Normalerweise zahlt man hier oben im Schnitt unter 35 Euro für ein Schiff meiner Größe. Wenn man vorher weiß, dass man 12 Tage hierbleibt, bekommt man 2 Tage gratis. Ich habe aufgrund der Tatsache, dass wir nicht wussten, wie lange wir hierbleiben immer nur 3 Tage am Automaten bezahlt. Nun habe ich gestern vergessen zu bezahlen und heute war ein Typ der Kommune hier und hat mich zurecht gerügt, da ich das ja vergessen hatte. Ich habe versucht, mir ihm zu handeln, dass er mir den einen Tag schenken kann, da ich ja schon seit 12 Tagen hier bin. Leider vergeblich. Er ist nicht darauf eingegangen. Schöne Neue Welt. Ich schrieb mal eine nette Mail an das Hafenbüro. Aber ich denke nicht, dass sich daran was ändert. Warum nett sein, wenn es ohne auch geht. Die Leute kommen ja eh.
Nach dem wir Klaus und Claudia in Nexø kennengelernt haben, hatten wir uns auf ein Treffen auf der Arche verabredet. Wie auch angekündigt waren beide an darauf folgenden Tag an Bord. Wir hatten viel zu erzählen. Beide würden die Zeit gerne zurückstellen und auch noch einmal von vorne anfangen mit dem Segelboot zu reisen. Im Gegensatz zu mir. Ich hätte schon gern viel mehr von der Welt gesehen.
Die Tage vergingen. Ich bin meistens per Rad die Insel erkunden. Oder an einem Tag bin ich nur über die Felsen am Meer entlang nach Listed gesprungen. Das ist das nächste Dorf Richtung Norden. Ich komme mir vor wie ein kleines Kind, nur mit dem Unterschied, dass mir wahrscheinlich meine Eltern nie erlaubt hätten, auf den Felsen herum zu springen.
Ich hatte das große Glück hier 2 Sonnenaufgänge sehen zu können, die wirklich unbeschreiblich sind. Ich habe ein Foto auf Instagram und im letzten Log hab ich das Bild des ersten Sonnenaufgangs als Titelbild gestellt. Leider spiegelt das nicht die Wirklichkeit wieder. Es ist so viel größer und die Farben die man da sieht … Wow.
In den 12 Tagen sind Lika und ich zweimal zum Essen ausgegangen. Einmal gleich hier am Pier das Fischrestaurant B´s und im Pakhuset in der Einkaufspassage. Beide male haben wir ein vorzügliches Essen serviert bekommen.
Die Tage vergehen wie im Flug. Lika und ich sind meistens getrennt unterwegs. Was aber überhaupt kein Problem ist. Wir sind beide Individualisten. Das ist natürlich immer so, sollten Gäste an Bord sein. Der eine ist eher sportlich, der andere kulturell und wieder jemand anderes möchte lieber an Bord bleiben. Alles geht, nichts muss. 
Nach dem wir hier in Svaneke 2 Tage das einzige Boot im Hafen waren, füllte sich am 12.9. der Hafen wieder mit vielen Booten. In den Hafen passen ca. 12 Boote und 8 waren da. Viele polnische Charterboote findet man hier. Leider sind Charter Crews oft nicht wirklich nette Leute. Mehrmals versuchten sie von mir den Code für die Sanitäranlagen zu ergattern, um nicht für den Hafen bezahlen zu müssen. Ich finde das wirklich traurig. Sie Chartern eine 46-Fuß-Jacht mit 7 Leuten und wollen dann die 50 Euro für die eine Nacht nicht bezahlen. Das wären gut 7 Euro pro Nase. Ich finde das wirklich ärgerlich. Vor allem im Bezug auf solche Leute wie mich die bezahlen. Dadurch steigen die Preise für alle.

Nach dem wir eigentlich am Mittwoch (14.9.) wieder an die schwedische Ost- bzw. Südküste zurückwollten, da Lika Anfang Oktober in Berlin sein muss, entschieden wir uns dennoch dagegen, weil es uns hier so gut gefällt. Mir persönlich ist das egal. Ich habe keine Termine und leicht einen sitzen.
Beim Joggen viel mir wieder ein Kreuzfahrtschiff auf dem Meer auf. Ich habe daraufhin mal nachgesehen, was so was kostet. Unter 1500 Euro für 4 Tage ist nichts zu finden. Ja, man kann eine Innenkabine wählen, die dann 200 Euro billiger ist. Dann fährt man in 4 Tagen von Kiel nach Kopenhagen, nach Aarhus und wieder zurück nach Kiel. Dass man so was Urlaub nennen kann, muss sich um einen Marketing-Trick handeln. Wie man für Mist auch noch Geld bezahlen kann, ist mir persönlich schleierhaft.
Ich kann wirklich nur jedem empfehlen, sich auf einem Segelboot einzubuchen. Da bekommt man für 1500 Euro fast 3 Wochen Urlaub und man kann sich die Ziele auch noch aussuchen. Von der viel höheren Belastung unserer Umwelt gar nicht mal angefangen zu reden.
Wie auch immer meine Zeit mit mir und meinem Boot weiter geht, ob ich den Mut, die Kälte, die Hitze, Stürme überstehe und Schäden finanziell abdecken kann, ist ungewiss. Ich versuche diesen Weg dennoch weiter zu gehen und freu mich auf den Winter. Ich hoffe immer noch auf einen schönen Liegeplatz um Kopenhagen herum. Als Notnagel kann ich auf Bornholm bleiben und nach Nexø fahren. Da ist es günstig und ich habe auf jeden Fall Platz mit Strom und Wasser. Auch die Infrastruktur ist gut, um über den Winter zu kommen. Von Hotels am Hafen und kleine sehr günstige containerartige Wohneinheiten direkt am Pier wären für die stürmischen Nächte auch vorhanden. Bin gespannt, wie das ausgeht. 
Im Oktober möchte Britti für 2 Wochen aufs Boot kommen. Ich denke, dass ich zu dieser Zeit in Gislövs läge (Schweden) bin. Von da aus müssen wir dann mal schauen, wie und wo ich in mein Winterlager komme. Die Suche hat vor einigen Tagen begonnen und ich habe auch schon 2 Möglichkeiten in der Nähe von Kopenhagen/Malmö gefunden.
 Eine spannende Zeit beginnt wieder einmal.

Log 027 - Bornholm Teil 1

Ich habe am Samstag, als Armin uns verlassen hatte, ein YouTube-Live gestreamt. Hat mir viel Spaß bereitet. Könnt ich öfter machen. 
Leider bemerkte ich am Sonntagmorgen, dass Fieber hatte und mir ging es nicht gut. Ich machte auch gleich einen Coronatest und schwups, ich hab Corona. Nun zum zweiten Mal in 3 Jahren. Der Verlauf war glücklicherweise sehr milde und ich war nur 2 Tage mit leichten Symptomen im Bett gelegen und habe mich ausgeruht. 

Meine Laune war nicht gut. Die ganze Zeit nur auf dem Boot verweilen ist dann nicht so das, was man sich vorstellt, wenn man auf Reisen ist. Das Wetter war gut und mein Gast Lika war allzeit unterwegs in Simrishamn und Umgebung.

Ab Mittwoch bin ich auch immer mal ein bisschen pilgern gegangen. Mit dem Fieber nur sehr kurze Strecken. Hätte ich kein Fieber, würde ich das nicht mal wissen Corona zu haben. Na ja, der Geschmack im Mund ist schon eher bäbä. 
Am Freitag bin ich dann eine längere Strecke im Naturschutzgebiet „Bäckhalladalens Naturreservat“ gelaufen. Wirklich schön da. Man sieht ein Stückchen alten Meeresboden und alles in allem ein kleiner naturbelassener Wald. Der Schrittzähler zeigte 16.000 Schritte und wir waren am frühen Abend wieder zurück auf dem Boot. Ich machte uns einen kleinen Snack und wir gingen ins Bett.
Am nächsten Tag versuchte ich mich wieder als Brotbäcker. Heute sollte es ein Roggenbrot mit Sauerteig werden. Lika meinte, es schmeckt angenehm. Es ist gut aufgegangen und ich bin auch recht zufrieden damit.
Das Wetter war prächtig und mein Gast Lika war immer unterwegs in Simrishamn und Umgebung. Insofern war die Woche für mich sehr ereignislos. Schei** Corona.
Am Montag, dem 29.8., haben wir uns entschlossen, am nächsten Tag gleich früh um 7 Uhr Richtung Bornholm zu segeln. 
Schöner Wind mit ca 13 bis 15 kn von 120° schoben uns mit über 7 kn Sog in den Süden. Ein Traumtag zum Segeln. Bis auf eine Welle. Die kam alle 30 Sekunden von Osten. Verursacht von einem Starkwindfeld, das durch den Kalmarsund blies und eine Welle von 2m hinterließ. Solange die Segel oben sind und der Wind stark genug ist, auch überhaupt kein Problem. Doch leider lies der Wind nach. Wir hatten die Ostküste von Bornholm hinter uns und waren ca bei der Hälfte der Insel. Noch knapp 5 Meilen vor dem Hafen von Svaneke entfernt. Ich musste die Segel herunternehmen und das Boot schaukelte darauf wild in der Welle. Ich korrigierte ein wenig den Kurs Richtung Osten, um nicht die ganze Zeit wie in einer Schiffschaukel geschaukelt zu werden.
Die Hafeneinfahrt war sehr schwer zu erkennen. Die grüne Fahrwassertonne war gegen die Sonne nicht zu sehen. Sie war auch eher schwarz als grün. Könnte mal einen frischen Anstrich vertragen. Bei der ersten Hafenanfahrt drehte ich nocheinmal ab. So konnte ich leichter nach hinten sehen und die Tonne suchen.
Die Hafeneinfahrt war leider so ums Eck, dass man die unschöne Welle zuerst von hinten und nach der 45° Drehung in die Einfahrt dann Breitseite von Steuerbord abbekam. Aber es lief gut und ich steuerte gleich auf die Hafenmauer an Steuerbord zu. Das war auch der einzige Platz, der noch zur Verfügung stand. Die Mooringbojen waren zu kurz für mich und es wäre von den 7 auch nur noch eine frei gewesen. Längsseits Anlegen war eh einfacher. Ein anderer Segler kam uns auch gleich zur Hilfe und nahm die Leine am Bug entgegen. 
Es war inzwischen später Nachmittag und nach der Strapaze ohne die Segel und das zweimalige Anfahren des Hafens bekam uns beiden nicht besonders und wir waren erst mal am Ende unserer Kräfte. Ich lies mich im Cockpit nieder und öffnete mir mein verdientes Anlegerbier. 
Wir machten uns eine Kleinigkeit zum Essen und wir berieten uns über unser Abenteuer. Beide zog es uns früh in Bett. 
Willkommen auf Bornholm.

Bornholm und der Ort Svaneke stellte sich die darauffolgenden Tage als ein wahres Schmuckstück heraus. Ich ging gleich am nächsten Morgen eine Runde Joggen und traute meinen Augen kaum. Die großen Felsen und die starke Dünung ließen das Wasser in großen weißen Wellen an Land rauschen. Was für ein wunderschönes Spektakel.
Nach dem Joggen schraubte ich mein Rad zusammen. Ich wollte hier unbedingt Mountainbiken. Wunderschöne Trails gibt es auf Bornholm. Ich weiß nicht genau ob die Wege für Fahrräder erlaubt sich oder nicht. Aber hier ist die Urlaubssaison zu Ende und insofern sind auch nur sehr wenige Wanderer unterwegs.

Am dritten Tag unseres Aufenthalts stand ich schon sehr früh auf, um mir den Sonnenaufgang ansehen zu können. Ich stand um 5.30 Uhr auf und machte mir einen Kaffee und füllte ihn in meine Thermoskanne. Gleich hinter dem Restaurant B’s Fiskeværksted das direkt an der Kaimauer an der wir Fest machten liegt und nur 50 Meter von unserem Liegeplatz entfernt ist schon die Brandung mit den großen Felsen zu hören. Ich glaube, dass die Intensität meiner Gefühle am frühen Morgen viel größer ist als abends. Der Anblick ist viel intensiever und erscheint mir viel aufregender als ein Sonnenuntergang. Es ist ein Privileg für einen Sonnenaufgang aufstehen zu können das ist immer mehr zu schätzen lerne.
So gegen 11 Uhr fuhren wir dann mit unseren Rädern Richtung Norden nach Nexø. Als wir durch den Hafen fuhren, der übrigens 10x so groß ist als der in Svaneke, sah ich, wie ein Boot gerade längsseits am Pier anlegen wollte. Ich stellte mein Fahrrad ab und nahm die Leine entgegen. Nach den ersten englischen Sprachversuchen stellten wir fest, dass es sich um ein deutsches Ehepaar aus Berlin handelte. Klaus und Claudia sind seit fast 17 Jahren auf See und haben schon die andere Seite unseres Planeten mit dem Segelboot erkundet. Wir saßen mehrere Stunden an einem Tisch am Pier und erzählten uns unsere Erlebnisse. Wir verbrachten einen sehr gesprächigen Nachmittag und verabredeten uns auf einen Besuch auf der Arche. Es wurde frisch. Ich hatte auch nur ne kurze Hose an und hatte zum Glück einen Hoodie dabei. Wir aßen an einem kleinen Hafenimbiss ein absolut köstliches Sandwich.
Wir mussten aufbrechen um noch bei Tageslicht zurück zum Boot zu kommen.

Log 026 -Wunden Lecken

Ich war am Tag nach der Nachtfahrt so am Ende. Muskelkater an jeder Stelle meines Körpers. Wir entschieden gemeinsam einige Tage hier in Sklillinge zu verweilen. Der Wetterbericht prognostizierte Sonne 23° kein Niederschlag und kein Wind. Das Wasser hat laut Messung meiner Logge 24°. 
 Sklillinge ist ein
ziemlich verschlafendes ehemaliges Fischerdorf, das sich offensichtlich für den Tourismus vorbereitete. Die Sanitäranlagen sind relativ neu und sehen von außen sauber aus. Wir konnten sie leider nicht nutzen. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt noch keine Ahnung, wie das mit den Automaten bzw. mit den QR-Codes an den Häfen in Schweden abläuft. Hafenmeister:innen gibt es wohl schon länger nicht mehr und sie wurden durch Internetseiten oder Automaten ausgetauscht.
Der Hafenkontor ist schön mit einem sehr guten und teuren Restaurant Namens Skillinge Hamnkrog. Das hat zwar Montag und Dienstag Ruhetag, aber wie wir am Mittwoch feststellen, trotz der Preise gut besucht. Wobei mir noch das Verhältnis zu anderen Restaurants in Schweden fehlt. Insofern kann ich weder was Qualifiziertes über die Besucherzahlen oder die Preise aussagen.
Es ist Dienstag früh der 16.8.22. Ich war immer noch angeschlagen. Es war gestern Nacht kurz vor Mitternacht, als wir endlich mit dem Anlegemanöver fertig waren. Nach dem morgendlichen Kaffee und einem kleinen Frühstück machte ich mich an einen Kontrollgang über und unter das Schiff. Ich konnte keine Schäden feststellen. Ob ich mir darüber Gedanken gemacht hätte, wenn der Törn am Tag gewesen wäre? Sollte ich wahrscheinlich tun. Also immer wieder zu kontrollieren, ob alles OK ist. Ob alle Schekel gut verschraubt sind alle Leinen in Ordnung, die vielen Fächer und Schubladen öffnen und einen Blick hinein werfen, ob alles noch auf seinem Platz ist. Kommt mir gerade als eine gute Idee vor.

Das einzige, was ich an diesem Tag körperlich geschafft habe, ist zu dem Eiswagen, der 100 Meter vom Boot entfernt lag, zu laufen und erkundete das kleine unter 1000 Einwohner Dorf.
 Man könnte es für so was wie ein Vorort einer größeren Stadt halten. Nur ist da keine größere Stadt in der Nähe. Einfamilienhäuser mit Garten. Meist sehen sie gut gepflegt aus. Es ist auch hier wohl schon länger trocken gewesen. Die Rasenflächen vor den Häusern sind vor Trockenheit schon dörr und gelb.
Der Tag verlief ohne große Irritationen. Lika ist ein wenig wandern gewesen und hat, wie sie meinte, einen super Sandstrand entdeckt. Wie in der Karibik. Wir aßen zu Abend und gingen schlafen.
Am Mittwoch ging es Armin nicht so richtig gut und der blieb am Schiff. Lika und ich haben uns entschieden, in die andere Richtung zu dem Strand im Norden zu laufen. Einheimische hatten uns gesagt, dieser wäre weniger besucht, aber mit ein paar Steinen gepflastert. Letztlich war es ein Steinstrand. Praktisch kein Sand. Wir blieben und ich las ein wenig mein Buch, das Kartengeheimnis von Jostein Gaarder weiter. Um genau zu sein, ich hab es Lika vorgelesen. Ich glaube, sie ist zwischendurch eingeschlafen.
Auf meiner Suche nach Glück frage ich mich inzwischen, ob es wirklich mutig ist, das zu tun, was ich tat. Viele Menschen in meinem Umfeld merken das immer wieder an. Ich selbst fühlte das aber bisher nie so. Es stand für mich im Vordergrund, etwas mit meiner Zeit anzustellen, das mir superviel Spaß macht. Nach dem Refit dauert meine Reise ja auch erst gut 2 Wochen. Ich merke, dass ich mich erst daran gewöhnen muss, wirklich auf Reise zu sein.

Ich verlies den Strand gegen 16.30 und Lika wollte noch ein bisschen in der Sonne liegen bleiben.
Es waren knapp 4 km zu gehen. Im Hafen angekommen kaufte ich gegenüber dem Eiswagen an einem Pizzawagen eine Pizza, die ich mir mit Armin teilte. Für eine 22 cm große Pizza mit Tomatensoße, Tomaten und Rucola 14 Euro zu verlangen ist schon nicht von schlechten Eltern. Die Pizza war super. Ein Neapolitaner hätte sie nicht besser machen können. Oder ich. *zwinkersmilie
Wir gingen heute in das besagte Restaurant zum Abendessen. Wir alle bestellten das gleiche Menü. Es war traumhaft gut. Mir viel auf, dass das alkoholfreie Bier genau so viel kostete wie das mit Alkohol. 6,50 Euro. Die Umrechnung von schwedischen Kronen auf Euro ist denkbar leicht. Einfach eine Kommastelle nach links. 10 Euro sind 106 Kronen. Das Abendessen für uns drei, mit Getränken kostete 2200 Kronen inkl. dem Trinkgeld. Ich habe gelesen, dass Trinkgeld geben nicht wie in Deutschland abläuft. Es wird nur aufgerundet und nicht ca 10% des Rechnungsbetrages an Trinkgeld gegeben. Für mich, der auch beim Bäcker oder im Supermarkt immer aufrundet eine ganz andere Nummer. Da gibt man in Schweden gar kein Trinkgeld.
Nach dem vorzüglichen 3 Gänge Menü mit einem absolut spitzenmäßigen Cremé Brulee als Nachtisch gingen wir um den Hafen herum zur Arche zurück.
Am Tag darauf bin ich mit Lika zu ihrem angeblichen Karibikstrand gelaufen. Der ist ca 4 km südlich von Sklillinge entfernt. Und es war wirklich umwerfend. Ein Sandstrand, der so lang ist, dass man sein Ende nicht sehen kann. Man konnte 100 m ins Meer laufen und war gerade mal brusttief im Wasser. Die Wellen brachen sich. Es war wie in einem Traum. Warmes und klares Wasser. Ich verbrachte den halben Tag dort und lag in der Sonne.
Auf dem Rückweg rief ich Armin an und fragte, ob ich einen Fisch jagen sollte. Wir grillten eine Lachsforelle am Bordgrill (Grillen ist, glaube ich, im Hafenbereich nicht erlaubt) und Lika machte eine Gemüsepfanne. Ein super Tag. Wahnsinn.
Wir beschlossen am Freitag nach Simrishamn zu fahren, um entspannt am Samstagmorgen Armin zum Zug begleiten zu können. Das war ca 1,5 Stunden unter Motor entfernt. Da wir unter 10 kn Wind hatten und der auch noch aus nördlichen Richtungen blies, motorten wir und kamen am frühen Nachmittag an. Wir schlenderten auf einen kurzen Überblick in das Dorf und tranken einen Kaffee. Eine sehr schöne Ecke hier. Gute Infrastruktur. Waschmaschine, Strom, ein Coop und ein paar Einzelhändler. Ich fand einen italienisches Restaurant das auch ein kleinen Laden hatte. Es gab echten Mozzarella. Ich kaufte frische Spaghetti, einen Parmesan und natürlich zwei Packungen Buffalo Mozzarella. Ich machte eine vegetarische Bolognese und meinen speziellen Caprese Salat. Es war köstlich. Alle lieben mich.

Am nächsten Morgen begleiteten Lika und ich Armin zum Bahnhof. Wir verabschiedeten uns. Eine sehr schöne Zeit, die ich mit Armin verbringen durfte. Vielen Dank.

Euer Thomi

Log 025 - Eine lehrreiche Woche

Hi Leute.
Vor 5 Tagen war es so weit. Ich habe nun endgültig Deutschland verlassen und bin inzwischen in Schweden angekommen. Meine Reise hat begonnen. Als wir am Mittwoch 10.8. in Großenbrode losgefahren sind, war kaum Wind und wir motorten nach Dänemark an die Küste vor Gedser. Wie schon bei dem ersten Versuch, meine Reise zu starten zusammen mit meinem Bruder lagen wir fast an der gleichen Stelle vor Anker. Eine superruhige Nacht wartete auf uns. Wir grillten an meinem Bordgrill am Heck uns ein leckeres Abendessen und genossen einen traumhaften Sonnenuntergang. Die Sonne versank im Meer, als wäre es ein Gemälde von van Gogh. Wahnsinn. Ich habe so was noch nie gesehen. Im Allgemeinen sind die Sonnenuntergänge im Norden eh schon mal viel krasser als früher in Fürth. Aber dieser? Einfach nur wow.
Nach wir am nächsten Morgen Gedser Verliesen und durch die kleine Fahrrinne zum offenen Meer fuhren, übersah ich eine Boje und wir liefen auf eine Sandbank auf. Fortuna sei dank, sehr langsam. Wir konnten uns zu unserem Glück in wenigen Minuten auch wieder Freifahren. Wie schnell es gehen kann, neue Erfahrungen zu machen. Ein Gewittersturm vor Anker in der Bucht vor Großenbrode, 5 Tage später auf ne Sandbank fahren. Es wird noch viele Ereignisse geben, mit denen ich klar kommen muss.

Am nächsten Tag ist unser Ziel Klintholm. Das ist auf der Insel Askeby. Eine wirklich schnuckelige Marina. Auf dem Landgang fanden wir eine Beachparty mit Essensbuden. Wir tranken 2 Mojitos und waren schon ein bisschen angedüdelt. Der Organisator kam zu mir und wollte ein Foto mit mir machen, weil ich aussehe wie Bruce Willis. Lol.

Nach dem richtig coolen Abend sind wir am nächsten Tag früh los. In Gislövs läge wartete Lika auf uns, um die Crew auf der Arche zu erweitern. Lika kennt ihr vielleicht noch aus der Zeit des Refits. Sie putze einen Teil der Bilge.

Gislövs läge liegt östlich von Trelleborg. Ein kleiner, aber sehr feiner Segelverein hat uns einen Liegeplatz angeboten. Wir werden hier noch einen Tag verweilen, bevor wir zur Insel Bornholm aufbrechen.
Leider blies uns der Wind nicht dort hin. Trotz des vorausgesagten Ostwindes wehte es immer aus Südost. Genau dorthin, wo wir hin wollten. Ich hoffte auf einen Richtungswechsel, der aber leider aus blieb. So kreuzten wir an der schwedischen Südküste entlang nach Ystad. Ein industriell geprägter Hafen. Nicht so schön, aber gute Infrastruktur. Gut fürs Tanken. Am nächsten Tag versuchten wir noch einmal nach Bornholm zu fahren. Die Windvorhersage war wieder nur unterdurchschnittlich. Es ist schwer, die Windrichtung genau vorherzusagen. So kreuzten wir wieder an Schwedens Südküste entlang und ich fand am frühen Nachmittag einen schönen Platz an der Steilküste in der Nähe von Kåseberga zu ankern. Dort hüpfte ich ins Beiboot und ruderte an die Küste, um ein bisschen an Land spazieren zu gehen und ein paar schöne Fotos von oben auf das Meer und mein Boot zu machen. (Siehe Instagram).
Unglücklicherweise fühlten sich meine beiden Gäste an dem Ankerplatz nicht wohl, worauf ich entschied, um den letzten südlichen Teil der Küste Richtung Norden nach Skillinge in den dortigen Hafen zu fahren. Unter Motor wäre das in 3 Stunden erreichbar gewesen. Ab diesem Zeitpunkt begann nach dem Gewitter in der Bucht von Großenbrode mit 70 km/h Wind und dem auflaufen auf die Sandbank vor Gedser, meine nächste große Prüfung.

Der Motor bzw. das Lager der Welle machte meiner Meinung nach zu laute und merkwürdige Geräusche. Ich entschied zu segeln. Da war dann klar, das wird bis spät in die Nacht dauern. 
Ich zog die Segel hoch und es ging relativ gemütlich mit 5,5 kn voran. Aufgrund des Windes mussten wir zunächst in Richtung Ost kreuzen.
Der Wind lies auf einmal nach und wir kamen nur noch unter 3 kn vorwärts. Nach 2 Stunden und 4 Wenden musste ich die Entscheidung treffen, weiter mit Motor zu fahren und zu hoffen, dass das alles gut geht.
Ein wunderschöner Sonnenuntergang auf dem Meer erwartete uns. Eine wirkliche Traumkulisse. Auf Instagram ist ein Foto zu sehen. Das spiegelt aber nicht einmal bruchstückweise die Wirklichkeit wieder.
Wir fuhren in die Nacht. Kein Mond, bewölkter Himmel. Um ca 22 Uhr war es stockdunkel. An der 10 km entfernten Küste waren vereinzelt Lichter zu sehen. Ich schaltete das Radar ein, um andere Boote ohne AIS sehen zu können und mich auf eventuelle Squalls (Strake Regenschauer oder Gewitter) vorzubereiten. Was soll ich sagen? Am Horizont Blitze es. Es war beängstigend und supercool auf einmal. Es ging noch knapp 2 Stunden unter Motor in einer dunklen Nacht weiter Richtung 0°. Ich konzentrierte mich nur noch auf mich und das Boot. Ich glaube, in diesem Moment wurde ich eins mit meiner Arche. Ich habe beim schreiben immer noch eine Gänsehaut.
Wir näherten uns dem Hafen von Skillinge. Ich zog meine Rettungsweste an, schaltete die Decksbeleuchtung an und machte mich an das Befestigen der Fender und der Festmacherleinen. Auch kontrollierte ich, ob alle Leinen gut verräumt waren und das Schiff klar zum Anlegen war. Das ist nicht wirklich einfach bei einer kurzen Ostseewelle, die bis zu 2 Meter hoch war.
Das Schiff stampfte sich gegen den halben Wind Richtung Hafen. Ob ich ohne elektronische Navigation in den Hafen gekommen wäre, weiß ich nicht. Aber ich hatte mir 3 Geräte als Back-up bereitgelegt, um auf Nummer sicherzugehen. Auch lag die Seekarte am Tisch, die ich noch studierte, um so gut wie ich konnte, mich vorzubereiten. Die Lichter kamen näher. Es ist unglaublich schwer, die Entfernungen in der Nacht richtig einzuschätzen. Ob das weit weg ist oder na dran, erkannte ich erst, als die erste grüne Einfahrtsboje 5 m neben mir vorbeizog. Langsam tastete ich mich in den Hafen hinein. Es war klar, der erste Parkplatz, der sich bot, wird genommen. Das Anlegemanöver war wegen der Dunkelheit, dem kleinen Hafen und dem Wind von der Seite sehr anstrengend. Eine Gruppe Jugendlicher, die an der Mole ihren Spaß hatten, half uns so ein bisschen beim Anlegen. Aber offensichtlich hatten sie überhaupt keine Erfahrung. Auch die Sprachbarriere stand im Weg. Ein anderer Segler kam mit seinem Klapprad um den ganzen Hafen gefahren, um uns zu Hand zu gehen.
Nach einer halben Stunde waren wir dann endlich fest am Pier gelegen und ich fiel komplett mich zusammen. Noch nie fühlte ich mich so am Ende meiner Kräfte. Um Mitternacht nahm ich mir noch das verdiente Anlegebier aus dem Kühlschrank. Das ich fast auf einen Zug leer trank. Was für ein Akt und so wahnsinnig wichtig für mein künftiges Leben auf dem Boot diese Erfahrung gemacht zu haben.
Danke fürs Lesen.

Euer Thomi

Log 024 - Es geht endlich los. Danke Leute

Eigentlich wollte ich einen neuen Beitrag für meinen Blog schreiben. Herausgekommen ist aber eher eine Danksagung. Ich hoffe, es stört euch, liebe Leser, nicht.


Es ist vollbracht. Ich wohne auf dem Boot.
Am 17. November 2021 bin ich in die super Ferienwohnung der Familie Schwarz gezogen. Die ist ca 300 m von der Werft entfernt und damit natürlich super für mich gelegen. Ab Ende März konnte ich in den Turm der Werft ziehen. Arbeitsweg: 10 m. da ein Praktikant dort noch wohnte. Heute am Sonntag, 17. Juli, habe ich den Turm verlassen. Ich kanns noch nicht richtig fassen.
Neun Monate sind vergangen und ich hab das Gefühl, ich habe gestern begonnen, das Boot zu renovieren. Ich bin emotional schon ein bisschen gefordert.
Ehrlicherweise kann ich es nicht mehr erwarten, Deutschland zu verlassen und ein anderes Land zu besuchen. Auch wenn es nur 40 km von hier weg ist. Ich will endlich neue Ecken dieser Welt sehen. Die vielen neuen Herausforderungen, die auf mich zukommen. Wow. Ich freu mich so sehr.
Ich bin Mal rausgefahren und habe das erste Ankermanöver erfolgreich bestanden und wir, Britti, mein Bruder und ich hatten ein super Abendessen mit Grill und allem was so dazu gehört und eine sehr ruhige Nacht in der Bucht von Großenbrode. Am nächsten Morgen ging es wieder zurück in die Werft, um die letzten Arbeiten zu erledigen. Am Donnerstag geht dann die Reise richtig los. 
 Was mich sehr freut, ist, dass mein Bruder der Erste ist, der mit mir auf Reise geht. Es ist so wunderschön und streichelt meine Gedanken und mein Herz.
Jetzt ist Mittwoch, sprich ein Tag vor der Abreise und ich bin nervös. Der Proviant ist an Bord und alle Sachen sind gut verstaut und ich denke, das Schiff ist klar zum Auslaufen. Britti ist dann ausgestiegen, um zu ihrer Veranstaltung ins Allgäu aufgebrochen. Jörg und ich fuhren nach Gedser in Dänemark und warfen den Anker vor Gedser. Ein wunderschöner Abend. Leider ging der Autopilot nicht und wir mussten zähneknirschend wieder zurück nach Großenbrode. Jetzt muss ich bis Dienstag warten, bis der neue Autopilot da ist. Nicht so geil. Aber wie ich schon vielfach in der Zeit des Refits merken durfte. Es ist, wie es ist.
Die Arche fällt auf. Jeder, der hier vorbei läuft, bleibt stehen. Viele drücken ihre Bewunderung aus und freuen sich mit mir. Mit vielen unterhalte ich mich über die Technik, meinen Plan oder meinen Mut. Den Zuspruch der Menschen interpretiere ich immer mehr als Lob für mich. Es ist ein sensationelles Gefühl. 
 Mein erstes Ziel ist Kopenhagen. Da steigt Armin aus. Zwischenrein kommt eine Bekannte von mir an Bord. Ihr kennt sie auch schon. Lika wird in den nächsten 4 Wochen einige Zeit mit mir/uns reisen. 
 Ich bin froh, die nächste Zeit ein paar Freunde an Bord zu haben. Viele Handgriffe und Verhaltensweisen benötigen noch viel Übung. Es übt sich besser, wenn man 2 Hände mehr hat.
Nächstes Jahr beginnt der Ernst des Lebens und eine neue Arbeit wird auf mich zukommen. Bin sehr gespant, ob das was wird.
 Ich bedanke mich außerordentlich bei Max. Ohne ihn wäre das nicht Möglich gewesen.
 Lieber Max, wenn du das lesen solltest. Du hast dein Leben lang Zugang zu diesem Schiff, ohne das du dich um irgendwas Kümmern musst. Versprochen.
 Das gilt auf für Marc.
Liebe Britti. Einerseits sorry, dass du hier die Nummer 2 bist. Es sind unzählige Dinge auf diesem Schiff passiert, die nie und nimmer ohne dich hier wären. Und ich meine dabei nicht die Löcher, die du in den Rumpf gebohrt hast. Deine vielen Tiere, dein Heim, dein Garten, die Liebe, deine Entspanntheit und Ruhe, die unfassbare Geduld, dein Charme und dein Humor. Ich habe noch keine Idee, wie das ohne dich die nächsten 8 Monate machen soll.
Es läge schon sehr nahe, hier den Winter zu verbringen. Zumal ich dann auch im Januar zum Skifahren in die Schweiz gehen könnte.
Nun zu euch alle, die ihr bei der Yachtwerft Klemens arbeitet. Egal als was ihr dort macht. Von der Reinigungsfrau und Mann über die Krancrew zum Schreiner und den Büroleuten. Ich bin sehr froh und überglücklich, euch alle kennengelernt zu haben.
Man kann als ein großer Kunde, wie ich es war, höchste professionelle Arbeit und Umgang erwarten. Man kann auch erwarten, dass sich alle Mitarbeiter freundlich mir gegenüber Verhalten. Aber das, was ihr mir angetan habt, ist viel mehr, als ich erwarten hätte könnte. Und ich kann, wenns sein muss, viel erwarten.
Mein Traum, auf einem Segelboot zu leben und die Welt von der Meeresseite zu besuchen, währe ohne euch nicht möglich gewesen. Ich kam als Kunde und verlasse euch als gute Bekannte und vielleicht für den einen oder anderen auch als Freund. Ich bin mir sehr sicher, dass ich euch zu vermissen werde. Für alle Menschen hier bei der Yachtwerft Klemens arbeiten, merke ich an, Vorsicht, ich komme spätestens im März 23 wieder und geh euch allen auf die Nerven. 
 Am liebsten würde ich sagen, bleibt, wie ihr seid. Aber ich weiß ja, die Welt dreht sich weiter. Wir alle Verändern und Entfalten uns. Daher sage ich auch vielen, vielen, vielen Dank und wünsche euch allen eine schöne Zeit. Wir sehen uns spätestens im März 23 wieder.
Ein spezial Danke geht natürlich an den Hannes und den Frank. Ihr zwei habt super Arbeit geleistet. Ich kann nur allen Lesern raten, wenn ihr ein Logo oder eine Webseite braucht für euer Business, dann merkt euch Brainsellers und H-Grafix.
Hallo Frau Künzel. Sie haben mit den Polstern meine Yacht ein wunderschönes Zuhause verwandelt. Alles ist in perfekter Qualität und Ausführung. Die Beratung für Farbe und Formen, die Stoffauswahl und die Lieferung sind viel mehr, als ich erwartet hätte. Sollte jemand Polster brauchen und in der Umgebung von Lübeck sein, merkt euch die Firma NoSails.
Hallo Familie. Was ich hier schreiben könnte, um das zu erklären, was ich über unseren Haufen denke und fühle, sprengt jeden Rahmen. Dazu gehören nicht nur mein Bruder, meine Schwester und meine. Da gehört mein Schwager, die ganzen Krumbacher, Brigitte, Wolfgang, Irmlind, die Osterchrists, meine Cousinen und Cousins und noch einige mehr dazu, die ich gar nicht aufzählen kann. Es ist so wunderbar, euch alle zu kennen und in meinem Herzen tragen zu dürfen. Auch ihr habt alle einen großen Anteil. Ein Teil von euch bin ich. Wer Lust und Zeit hat, kann mich gerne mal besuchen.

Hallo Muli. Wow. Jetzt wird sehr schwer für mich. Ich bin so dankbar und überglücklich, dass es dich noch gibt. Du bis mein bester Freund. Es wäre für mich eine sehr große Ehre, Dich und deine Liebsten einmal auf dem Boot begrüßen zu dürfen. Das Leben ist viel kürzer als man denkt und es passieren viel zu wenige Dinge, die man sich wirklich wünscht. Ich liebe dich.
Mir wird eben deutlich, wie viele Menschen um mich herum einen Anteil an dem haben, was ich jetzt tue. Ich merke auch gerade, dass ich nur ich bin, weil ich euch alle kenne. Jeder für sich ist ein Teil meines Lebens und meinem Ich. Ich bin der der ich bin, weil ich euch alle kenne. Viele Inspirationen, viele Erlebnisse, die krassen und tollen Sachen, die ich mit so vielen Menschen hatte, die mir so nahestehen. Wahnsinn. Es tut so gut darüber zu reflektieren. Und fühlt euch nicht unbenannt in diesem Text. Es sind so viele.
Die vielen ChaotenWGs die ich erleben durfte. Auch die, die ich selbst manchmal hatte. Die DIE PARTEI KV Fürth, RadioFürth, Asylothek, GrünerMarkt e.V., die supercoole Filtertip Crew. Die vielen Menschen in der Gustavstraße. Der Markt auf dem Waagplatz. Ein Teil vom mir vermisst euch alle sehr.
Hey, Armin und Ozzy. Die im September 21 meine ersten Gäste an Bord waren. Was für ein Vertrauen ihr hattet, einfach bei nem Typ ins Boot zu steigen, der keine Ahnung vom Segeln hat. Sensationell. Zumal ihr ja nur zum Teil wisst, was an dem Kahn für Defizite waren. Damit meine ich nicht nur meine Unkenntnis des Segelns, sondern speziell die technischen Defizite, die das Boot aufwies. Nun kann ich euch mit absoluter Beruhigung sagen, mein Kahn ist jetzt eine Yacht. Und nicht nur das, sie ist eine wunderschöne Yacht, die technisch auf einem sehr komfortablen Stand eines Einfamilienhauses mit viel Luxus 
ist. 
 Unschwer zu erkennen, das hier ist der erste Meilenstein in meinem neuen Leben. Wie lange das geht, weiß ich nicht. Das macht aber auch nichts. Ich bin gesund, nicht völlig dumm und habe offensichtlich ein gutes Händchen für nette Menschen, die sich in ihren Leben mit Passion den Aufgaben widmen, die sich ihnen stellen. Die meisten schätze ich so ein, dass sie einen Teil ihres Lebens mit ihren Träumen erleben und an deren Verwirklichung arbeiten. Wir alle könnten einen Gedanken an unser privilegiertes Leben gebrauchen. Die meisten sind gesund, Leben in einem verhältnismäßigen friedlichen Land, in dem es noch nicht an allem fehlt. Ich bin mir sicher, in den nächsten Jahren Menschen zu erleben, die nicht einmal Ansatzweise, einen solchen Traum wie den meinen träumen können. Von einer Verwirklichung völlig abgesehen. Ich hätte im Bezug auf Gleichheit und Fairness auf der Welt schon noch einige Fragen, die mit ein wenig Glück dazu beitragen können, das für die zukünftigen Generationen zu verbessern. Vielleicht fragt mich ja mal einer. Aber ich denke, ihr hättet da auch ein paar kluge Sätze parat.
Euer Thomi.