Log 027 - Bornholm Teil 1

Ich habe am Samstag, als Armin uns verlassen hatte, ein YouTube-Live gestreamt. Hat mir viel Spaß bereitet. Könnt ich öfter machen. 
Leider bemerkte ich am Sonntagmorgen, dass Fieber hatte und mir ging es nicht gut. Ich machte auch gleich einen Coronatest und schwups, ich hab Corona. Nun zum zweiten Mal in 3 Jahren. Der Verlauf war glücklicherweise sehr milde und ich war nur 2 Tage mit leichten Symptomen im Bett gelegen und habe mich ausgeruht. 

Meine Laune war nicht gut. Die ganze Zeit nur auf dem Boot verweilen ist dann nicht so das, was man sich vorstellt, wenn man auf Reisen ist. Das Wetter war gut und mein Gast Lika war allzeit unterwegs in Simrishamn und Umgebung.

Ab Mittwoch bin ich auch immer mal ein bisschen pilgern gegangen. Mit dem Fieber nur sehr kurze Strecken. Hätte ich kein Fieber, würde ich das nicht mal wissen Corona zu haben. Na ja, der Geschmack im Mund ist schon eher bäbä. 
Am Freitag bin ich dann eine längere Strecke im Naturschutzgebiet „Bäckhalladalens Naturreservat“ gelaufen. Wirklich schön da. Man sieht ein Stückchen alten Meeresboden und alles in allem ein kleiner naturbelassener Wald. Der Schrittzähler zeigte 16.000 Schritte und wir waren am frühen Abend wieder zurück auf dem Boot. Ich machte uns einen kleinen Snack und wir gingen ins Bett.
Am nächsten Tag versuchte ich mich wieder als Brotbäcker. Heute sollte es ein Roggenbrot mit Sauerteig werden. Lika meinte, es schmeckt angenehm. Es ist gut aufgegangen und ich bin auch recht zufrieden damit.
Das Wetter war prächtig und mein Gast Lika war immer unterwegs in Simrishamn und Umgebung. Insofern war die Woche für mich sehr ereignislos. Schei** Corona.
Am Montag, dem 29.8., haben wir uns entschlossen, am nächsten Tag gleich früh um 7 Uhr Richtung Bornholm zu segeln. 
Schöner Wind mit ca 13 bis 15 kn von 120° schoben uns mit über 7 kn Sog in den Süden. Ein Traumtag zum Segeln. Bis auf eine Welle. Die kam alle 30 Sekunden von Osten. Verursacht von einem Starkwindfeld, das durch den Kalmarsund blies und eine Welle von 2m hinterließ. Solange die Segel oben sind und der Wind stark genug ist, auch überhaupt kein Problem. Doch leider lies der Wind nach. Wir hatten die Ostküste von Bornholm hinter uns und waren ca bei der Hälfte der Insel. Noch knapp 5 Meilen vor dem Hafen von Svaneke entfernt. Ich musste die Segel herunternehmen und das Boot schaukelte darauf wild in der Welle. Ich korrigierte ein wenig den Kurs Richtung Osten, um nicht die ganze Zeit wie in einer Schiffschaukel geschaukelt zu werden.
Die Hafeneinfahrt war sehr schwer zu erkennen. Die grüne Fahrwassertonne war gegen die Sonne nicht zu sehen. Sie war auch eher schwarz als grün. Könnte mal einen frischen Anstrich vertragen. Bei der ersten Hafenanfahrt drehte ich nocheinmal ab. So konnte ich leichter nach hinten sehen und die Tonne suchen.
Die Hafeneinfahrt war leider so ums Eck, dass man die unschöne Welle zuerst von hinten und nach der 45° Drehung in die Einfahrt dann Breitseite von Steuerbord abbekam. Aber es lief gut und ich steuerte gleich auf die Hafenmauer an Steuerbord zu. Das war auch der einzige Platz, der noch zur Verfügung stand. Die Mooringbojen waren zu kurz für mich und es wäre von den 7 auch nur noch eine frei gewesen. Längsseits Anlegen war eh einfacher. Ein anderer Segler kam uns auch gleich zur Hilfe und nahm die Leine am Bug entgegen. 
Es war inzwischen später Nachmittag und nach der Strapaze ohne die Segel und das zweimalige Anfahren des Hafens bekam uns beiden nicht besonders und wir waren erst mal am Ende unserer Kräfte. Ich lies mich im Cockpit nieder und öffnete mir mein verdientes Anlegerbier. 
Wir machten uns eine Kleinigkeit zum Essen und wir berieten uns über unser Abenteuer. Beide zog es uns früh in Bett. 
Willkommen auf Bornholm.

Bornholm und der Ort Svaneke stellte sich die darauffolgenden Tage als ein wahres Schmuckstück heraus. Ich ging gleich am nächsten Morgen eine Runde Joggen und traute meinen Augen kaum. Die großen Felsen und die starke Dünung ließen das Wasser in großen weißen Wellen an Land rauschen. Was für ein wunderschönes Spektakel.
Nach dem Joggen schraubte ich mein Rad zusammen. Ich wollte hier unbedingt Mountainbiken. Wunderschöne Trails gibt es auf Bornholm. Ich weiß nicht genau ob die Wege für Fahrräder erlaubt sich oder nicht. Aber hier ist die Urlaubssaison zu Ende und insofern sind auch nur sehr wenige Wanderer unterwegs.

Am dritten Tag unseres Aufenthalts stand ich schon sehr früh auf, um mir den Sonnenaufgang ansehen zu können. Ich stand um 5.30 Uhr auf und machte mir einen Kaffee und füllte ihn in meine Thermoskanne. Gleich hinter dem Restaurant B’s Fiskeværksted das direkt an der Kaimauer an der wir Fest machten liegt und nur 50 Meter von unserem Liegeplatz entfernt ist schon die Brandung mit den großen Felsen zu hören. Ich glaube, dass die Intensität meiner Gefühle am frühen Morgen viel größer ist als abends. Der Anblick ist viel intensiever und erscheint mir viel aufregender als ein Sonnenuntergang. Es ist ein Privileg für einen Sonnenaufgang aufstehen zu können das ist immer mehr zu schätzen lerne.
So gegen 11 Uhr fuhren wir dann mit unseren Rädern Richtung Norden nach Nexø. Als wir durch den Hafen fuhren, der übrigens 10x so groß ist als der in Svaneke, sah ich, wie ein Boot gerade längsseits am Pier anlegen wollte. Ich stellte mein Fahrrad ab und nahm die Leine entgegen. Nach den ersten englischen Sprachversuchen stellten wir fest, dass es sich um ein deutsches Ehepaar aus Berlin handelte. Klaus und Claudia sind seit fast 17 Jahren auf See und haben schon die andere Seite unseres Planeten mit dem Segelboot erkundet. Wir saßen mehrere Stunden an einem Tisch am Pier und erzählten uns unsere Erlebnisse. Wir verbrachten einen sehr gesprächigen Nachmittag und verabredeten uns auf einen Besuch auf der Arche. Es wurde frisch. Ich hatte auch nur ne kurze Hose an und hatte zum Glück einen Hoodie dabei. Wir aßen an einem kleinen Hafenimbiss ein absolut köstliches Sandwich.
Wir mussten aufbrechen um noch bei Tageslicht zurück zum Boot zu kommen.

Log 026 -Wunden Lecken

Ich war am Tag nach der Nachtfahrt so am Ende. Muskelkater an jeder Stelle meines Körpers. Wir entschieden gemeinsam einige Tage hier in Sklillinge zu verweilen. Der Wetterbericht prognostizierte Sonne 23° kein Niederschlag und kein Wind. Das Wasser hat laut Messung meiner Logge 24°. 
 Sklillinge ist ein
ziemlich verschlafendes ehemaliges Fischerdorf, das sich offensichtlich für den Tourismus vorbereitete. Die Sanitäranlagen sind relativ neu und sehen von außen sauber aus. Wir konnten sie leider nicht nutzen. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt noch keine Ahnung, wie das mit den Automaten bzw. mit den QR-Codes an den Häfen in Schweden abläuft. Hafenmeister:innen gibt es wohl schon länger nicht mehr und sie wurden durch Internetseiten oder Automaten ausgetauscht.
Der Hafenkontor ist schön mit einem sehr guten und teuren Restaurant Namens Skillinge Hamnkrog. Das hat zwar Montag und Dienstag Ruhetag, aber wie wir am Mittwoch feststellen, trotz der Preise gut besucht. Wobei mir noch das Verhältnis zu anderen Restaurants in Schweden fehlt. Insofern kann ich weder was Qualifiziertes über die Besucherzahlen oder die Preise aussagen.
Es ist Dienstag früh der 16.8.22. Ich war immer noch angeschlagen. Es war gestern Nacht kurz vor Mitternacht, als wir endlich mit dem Anlegemanöver fertig waren. Nach dem morgendlichen Kaffee und einem kleinen Frühstück machte ich mich an einen Kontrollgang über und unter das Schiff. Ich konnte keine Schäden feststellen. Ob ich mir darüber Gedanken gemacht hätte, wenn der Törn am Tag gewesen wäre? Sollte ich wahrscheinlich tun. Also immer wieder zu kontrollieren, ob alles OK ist. Ob alle Schekel gut verschraubt sind alle Leinen in Ordnung, die vielen Fächer und Schubladen öffnen und einen Blick hinein werfen, ob alles noch auf seinem Platz ist. Kommt mir gerade als eine gute Idee vor.

Das einzige, was ich an diesem Tag körperlich geschafft habe, ist zu dem Eiswagen, der 100 Meter vom Boot entfernt lag, zu laufen und erkundete das kleine unter 1000 Einwohner Dorf.
 Man könnte es für so was wie ein Vorort einer größeren Stadt halten. Nur ist da keine größere Stadt in der Nähe. Einfamilienhäuser mit Garten. Meist sehen sie gut gepflegt aus. Es ist auch hier wohl schon länger trocken gewesen. Die Rasenflächen vor den Häusern sind vor Trockenheit schon dörr und gelb.
Der Tag verlief ohne große Irritationen. Lika ist ein wenig wandern gewesen und hat, wie sie meinte, einen super Sandstrand entdeckt. Wie in der Karibik. Wir aßen zu Abend und gingen schlafen.
Am Mittwoch ging es Armin nicht so richtig gut und der blieb am Schiff. Lika und ich haben uns entschieden, in die andere Richtung zu dem Strand im Norden zu laufen. Einheimische hatten uns gesagt, dieser wäre weniger besucht, aber mit ein paar Steinen gepflastert. Letztlich war es ein Steinstrand. Praktisch kein Sand. Wir blieben und ich las ein wenig mein Buch, das Kartengeheimnis von Jostein Gaarder weiter. Um genau zu sein, ich hab es Lika vorgelesen. Ich glaube, sie ist zwischendurch eingeschlafen.
Auf meiner Suche nach Glück frage ich mich inzwischen, ob es wirklich mutig ist, das zu tun, was ich tat. Viele Menschen in meinem Umfeld merken das immer wieder an. Ich selbst fühlte das aber bisher nie so. Es stand für mich im Vordergrund, etwas mit meiner Zeit anzustellen, das mir superviel Spaß macht. Nach dem Refit dauert meine Reise ja auch erst gut 2 Wochen. Ich merke, dass ich mich erst daran gewöhnen muss, wirklich auf Reise zu sein.

Ich verlies den Strand gegen 16.30 und Lika wollte noch ein bisschen in der Sonne liegen bleiben.
Es waren knapp 4 km zu gehen. Im Hafen angekommen kaufte ich gegenüber dem Eiswagen an einem Pizzawagen eine Pizza, die ich mir mit Armin teilte. Für eine 22 cm große Pizza mit Tomatensoße, Tomaten und Rucola 14 Euro zu verlangen ist schon nicht von schlechten Eltern. Die Pizza war super. Ein Neapolitaner hätte sie nicht besser machen können. Oder ich. *zwinkersmilie
Wir gingen heute in das besagte Restaurant zum Abendessen. Wir alle bestellten das gleiche Menü. Es war traumhaft gut. Mir viel auf, dass das alkoholfreie Bier genau so viel kostete wie das mit Alkohol. 6,50 Euro. Die Umrechnung von schwedischen Kronen auf Euro ist denkbar leicht. Einfach eine Kommastelle nach links. 10 Euro sind 106 Kronen. Das Abendessen für uns drei, mit Getränken kostete 2200 Kronen inkl. dem Trinkgeld. Ich habe gelesen, dass Trinkgeld geben nicht wie in Deutschland abläuft. Es wird nur aufgerundet und nicht ca 10% des Rechnungsbetrages an Trinkgeld gegeben. Für mich, der auch beim Bäcker oder im Supermarkt immer aufrundet eine ganz andere Nummer. Da gibt man in Schweden gar kein Trinkgeld.
Nach dem vorzüglichen 3 Gänge Menü mit einem absolut spitzenmäßigen Cremé Brulee als Nachtisch gingen wir um den Hafen herum zur Arche zurück.
Am Tag darauf bin ich mit Lika zu ihrem angeblichen Karibikstrand gelaufen. Der ist ca 4 km südlich von Sklillinge entfernt. Und es war wirklich umwerfend. Ein Sandstrand, der so lang ist, dass man sein Ende nicht sehen kann. Man konnte 100 m ins Meer laufen und war gerade mal brusttief im Wasser. Die Wellen brachen sich. Es war wie in einem Traum. Warmes und klares Wasser. Ich verbrachte den halben Tag dort und lag in der Sonne.
Auf dem Rückweg rief ich Armin an und fragte, ob ich einen Fisch jagen sollte. Wir grillten eine Lachsforelle am Bordgrill (Grillen ist, glaube ich, im Hafenbereich nicht erlaubt) und Lika machte eine Gemüsepfanne. Ein super Tag. Wahnsinn.
Wir beschlossen am Freitag nach Simrishamn zu fahren, um entspannt am Samstagmorgen Armin zum Zug begleiten zu können. Das war ca 1,5 Stunden unter Motor entfernt. Da wir unter 10 kn Wind hatten und der auch noch aus nördlichen Richtungen blies, motorten wir und kamen am frühen Nachmittag an. Wir schlenderten auf einen kurzen Überblick in das Dorf und tranken einen Kaffee. Eine sehr schöne Ecke hier. Gute Infrastruktur. Waschmaschine, Strom, ein Coop und ein paar Einzelhändler. Ich fand einen italienisches Restaurant das auch ein kleinen Laden hatte. Es gab echten Mozzarella. Ich kaufte frische Spaghetti, einen Parmesan und natürlich zwei Packungen Buffalo Mozzarella. Ich machte eine vegetarische Bolognese und meinen speziellen Caprese Salat. Es war köstlich. Alle lieben mich.

Am nächsten Morgen begleiteten Lika und ich Armin zum Bahnhof. Wir verabschiedeten uns. Eine sehr schöne Zeit, die ich mit Armin verbringen durfte. Vielen Dank.

Euer Thomi

Log 025 - Eine lehrreiche Woche

Hi Leute.
Vor 5 Tagen war es so weit. Ich habe nun endgültig Deutschland verlassen und bin inzwischen in Schweden angekommen. Meine Reise hat begonnen. Als wir am Mittwoch 10.8. in Großenbrode losgefahren sind, war kaum Wind und wir motorten nach Dänemark an die Küste vor Gedser. Wie schon bei dem ersten Versuch, meine Reise zu starten zusammen mit meinem Bruder lagen wir fast an der gleichen Stelle vor Anker. Eine superruhige Nacht wartete auf uns. Wir grillten an meinem Bordgrill am Heck uns ein leckeres Abendessen und genossen einen traumhaften Sonnenuntergang. Die Sonne versank im Meer, als wäre es ein Gemälde von van Gogh. Wahnsinn. Ich habe so was noch nie gesehen. Im Allgemeinen sind die Sonnenuntergänge im Norden eh schon mal viel krasser als früher in Fürth. Aber dieser? Einfach nur wow.
Nach wir am nächsten Morgen Gedser Verliesen und durch die kleine Fahrrinne zum offenen Meer fuhren, übersah ich eine Boje und wir liefen auf eine Sandbank auf. Fortuna sei dank, sehr langsam. Wir konnten uns zu unserem Glück in wenigen Minuten auch wieder Freifahren. Wie schnell es gehen kann, neue Erfahrungen zu machen. Ein Gewittersturm vor Anker in der Bucht vor Großenbrode, 5 Tage später auf ne Sandbank fahren. Es wird noch viele Ereignisse geben, mit denen ich klar kommen muss.

Am nächsten Tag ist unser Ziel Klintholm. Das ist auf der Insel Askeby. Eine wirklich schnuckelige Marina. Auf dem Landgang fanden wir eine Beachparty mit Essensbuden. Wir tranken 2 Mojitos und waren schon ein bisschen angedüdelt. Der Organisator kam zu mir und wollte ein Foto mit mir machen, weil ich aussehe wie Bruce Willis. Lol.

Nach dem richtig coolen Abend sind wir am nächsten Tag früh los. In Gislövs läge wartete Lika auf uns, um die Crew auf der Arche zu erweitern. Lika kennt ihr vielleicht noch aus der Zeit des Refits. Sie putze einen Teil der Bilge.

Gislövs läge liegt östlich von Trelleborg. Ein kleiner, aber sehr feiner Segelverein hat uns einen Liegeplatz angeboten. Wir werden hier noch einen Tag verweilen, bevor wir zur Insel Bornholm aufbrechen.
Leider blies uns der Wind nicht dort hin. Trotz des vorausgesagten Ostwindes wehte es immer aus Südost. Genau dorthin, wo wir hin wollten. Ich hoffte auf einen Richtungswechsel, der aber leider aus blieb. So kreuzten wir an der schwedischen Südküste entlang nach Ystad. Ein industriell geprägter Hafen. Nicht so schön, aber gute Infrastruktur. Gut fürs Tanken. Am nächsten Tag versuchten wir noch einmal nach Bornholm zu fahren. Die Windvorhersage war wieder nur unterdurchschnittlich. Es ist schwer, die Windrichtung genau vorherzusagen. So kreuzten wir wieder an Schwedens Südküste entlang und ich fand am frühen Nachmittag einen schönen Platz an der Steilküste in der Nähe von Kåseberga zu ankern. Dort hüpfte ich ins Beiboot und ruderte an die Küste, um ein bisschen an Land spazieren zu gehen und ein paar schöne Fotos von oben auf das Meer und mein Boot zu machen. (Siehe Instagram).
Unglücklicherweise fühlten sich meine beiden Gäste an dem Ankerplatz nicht wohl, worauf ich entschied, um den letzten südlichen Teil der Küste Richtung Norden nach Skillinge in den dortigen Hafen zu fahren. Unter Motor wäre das in 3 Stunden erreichbar gewesen. Ab diesem Zeitpunkt begann nach dem Gewitter in der Bucht von Großenbrode mit 70 km/h Wind und dem auflaufen auf die Sandbank vor Gedser, meine nächste große Prüfung.

Der Motor bzw. das Lager der Welle machte meiner Meinung nach zu laute und merkwürdige Geräusche. Ich entschied zu segeln. Da war dann klar, das wird bis spät in die Nacht dauern. 
Ich zog die Segel hoch und es ging relativ gemütlich mit 5,5 kn voran. Aufgrund des Windes mussten wir zunächst in Richtung Ost kreuzen.
Der Wind lies auf einmal nach und wir kamen nur noch unter 3 kn vorwärts. Nach 2 Stunden und 4 Wenden musste ich die Entscheidung treffen, weiter mit Motor zu fahren und zu hoffen, dass das alles gut geht.
Ein wunderschöner Sonnenuntergang auf dem Meer erwartete uns. Eine wirkliche Traumkulisse. Auf Instagram ist ein Foto zu sehen. Das spiegelt aber nicht einmal bruchstückweise die Wirklichkeit wieder.
Wir fuhren in die Nacht. Kein Mond, bewölkter Himmel. Um ca 22 Uhr war es stockdunkel. An der 10 km entfernten Küste waren vereinzelt Lichter zu sehen. Ich schaltete das Radar ein, um andere Boote ohne AIS sehen zu können und mich auf eventuelle Squalls (Strake Regenschauer oder Gewitter) vorzubereiten. Was soll ich sagen? Am Horizont Blitze es. Es war beängstigend und supercool auf einmal. Es ging noch knapp 2 Stunden unter Motor in einer dunklen Nacht weiter Richtung 0°. Ich konzentrierte mich nur noch auf mich und das Boot. Ich glaube, in diesem Moment wurde ich eins mit meiner Arche. Ich habe beim schreiben immer noch eine Gänsehaut.
Wir näherten uns dem Hafen von Skillinge. Ich zog meine Rettungsweste an, schaltete die Decksbeleuchtung an und machte mich an das Befestigen der Fender und der Festmacherleinen. Auch kontrollierte ich, ob alle Leinen gut verräumt waren und das Schiff klar zum Anlegen war. Das ist nicht wirklich einfach bei einer kurzen Ostseewelle, die bis zu 2 Meter hoch war.
Das Schiff stampfte sich gegen den halben Wind Richtung Hafen. Ob ich ohne elektronische Navigation in den Hafen gekommen wäre, weiß ich nicht. Aber ich hatte mir 3 Geräte als Back-up bereitgelegt, um auf Nummer sicherzugehen. Auch lag die Seekarte am Tisch, die ich noch studierte, um so gut wie ich konnte, mich vorzubereiten. Die Lichter kamen näher. Es ist unglaublich schwer, die Entfernungen in der Nacht richtig einzuschätzen. Ob das weit weg ist oder na dran, erkannte ich erst, als die erste grüne Einfahrtsboje 5 m neben mir vorbeizog. Langsam tastete ich mich in den Hafen hinein. Es war klar, der erste Parkplatz, der sich bot, wird genommen. Das Anlegemanöver war wegen der Dunkelheit, dem kleinen Hafen und dem Wind von der Seite sehr anstrengend. Eine Gruppe Jugendlicher, die an der Mole ihren Spaß hatten, half uns so ein bisschen beim Anlegen. Aber offensichtlich hatten sie überhaupt keine Erfahrung. Auch die Sprachbarriere stand im Weg. Ein anderer Segler kam mit seinem Klapprad um den ganzen Hafen gefahren, um uns zu Hand zu gehen.
Nach einer halben Stunde waren wir dann endlich fest am Pier gelegen und ich fiel komplett mich zusammen. Noch nie fühlte ich mich so am Ende meiner Kräfte. Um Mitternacht nahm ich mir noch das verdiente Anlegebier aus dem Kühlschrank. Das ich fast auf einen Zug leer trank. Was für ein Akt und so wahnsinnig wichtig für mein künftiges Leben auf dem Boot diese Erfahrung gemacht zu haben.
Danke fürs Lesen.

Euer Thomi

Log 024 - Es geht endlich los. Danke Leute

Eigentlich wollte ich einen neuen Beitrag für meinen Blog schreiben. Herausgekommen ist aber eher eine Danksagung. Ich hoffe, es stört euch, liebe Leser, nicht.


Es ist vollbracht. Ich wohne auf dem Boot.
Am 17. November 2021 bin ich in die super Ferienwohnung der Familie Schwarz gezogen. Die ist ca 300 m von der Werft entfernt und damit natürlich super für mich gelegen. Ab Ende März konnte ich in den Turm der Werft ziehen. Arbeitsweg: 10 m. da ein Praktikant dort noch wohnte. Heute am Sonntag, 17. Juli, habe ich den Turm verlassen. Ich kanns noch nicht richtig fassen.
Neun Monate sind vergangen und ich hab das Gefühl, ich habe gestern begonnen, das Boot zu renovieren. Ich bin emotional schon ein bisschen gefordert.
Ehrlicherweise kann ich es nicht mehr erwarten, Deutschland zu verlassen und ein anderes Land zu besuchen. Auch wenn es nur 40 km von hier weg ist. Ich will endlich neue Ecken dieser Welt sehen. Die vielen neuen Herausforderungen, die auf mich zukommen. Wow. Ich freu mich so sehr.
Ich bin Mal rausgefahren und habe das erste Ankermanöver erfolgreich bestanden und wir, Britti, mein Bruder und ich hatten ein super Abendessen mit Grill und allem was so dazu gehört und eine sehr ruhige Nacht in der Bucht von Großenbrode. Am nächsten Morgen ging es wieder zurück in die Werft, um die letzten Arbeiten zu erledigen. Am Donnerstag geht dann die Reise richtig los. 
 Was mich sehr freut, ist, dass mein Bruder der Erste ist, der mit mir auf Reise geht. Es ist so wunderschön und streichelt meine Gedanken und mein Herz.
Jetzt ist Mittwoch, sprich ein Tag vor der Abreise und ich bin nervös. Der Proviant ist an Bord und alle Sachen sind gut verstaut und ich denke, das Schiff ist klar zum Auslaufen. Britti ist dann ausgestiegen, um zu ihrer Veranstaltung ins Allgäu aufgebrochen. Jörg und ich fuhren nach Gedser in Dänemark und warfen den Anker vor Gedser. Ein wunderschöner Abend. Leider ging der Autopilot nicht und wir mussten zähneknirschend wieder zurück nach Großenbrode. Jetzt muss ich bis Dienstag warten, bis der neue Autopilot da ist. Nicht so geil. Aber wie ich schon vielfach in der Zeit des Refits merken durfte. Es ist, wie es ist.
Die Arche fällt auf. Jeder, der hier vorbei läuft, bleibt stehen. Viele drücken ihre Bewunderung aus und freuen sich mit mir. Mit vielen unterhalte ich mich über die Technik, meinen Plan oder meinen Mut. Den Zuspruch der Menschen interpretiere ich immer mehr als Lob für mich. Es ist ein sensationelles Gefühl. 
 Mein erstes Ziel ist Kopenhagen. Da steigt Armin aus. Zwischenrein kommt eine Bekannte von mir an Bord. Ihr kennt sie auch schon. Lika wird in den nächsten 4 Wochen einige Zeit mit mir/uns reisen. 
 Ich bin froh, die nächste Zeit ein paar Freunde an Bord zu haben. Viele Handgriffe und Verhaltensweisen benötigen noch viel Übung. Es übt sich besser, wenn man 2 Hände mehr hat.
Nächstes Jahr beginnt der Ernst des Lebens und eine neue Arbeit wird auf mich zukommen. Bin sehr gespant, ob das was wird.
 Ich bedanke mich außerordentlich bei Max. Ohne ihn wäre das nicht Möglich gewesen.
 Lieber Max, wenn du das lesen solltest. Du hast dein Leben lang Zugang zu diesem Schiff, ohne das du dich um irgendwas Kümmern musst. Versprochen.
 Das gilt auf für Marc.
Liebe Britti. Einerseits sorry, dass du hier die Nummer 2 bist. Es sind unzählige Dinge auf diesem Schiff passiert, die nie und nimmer ohne dich hier wären. Und ich meine dabei nicht die Löcher, die du in den Rumpf gebohrt hast. Deine vielen Tiere, dein Heim, dein Garten, die Liebe, deine Entspanntheit und Ruhe, die unfassbare Geduld, dein Charme und dein Humor. Ich habe noch keine Idee, wie das ohne dich die nächsten 8 Monate machen soll.
Es läge schon sehr nahe, hier den Winter zu verbringen. Zumal ich dann auch im Januar zum Skifahren in die Schweiz gehen könnte.
Nun zu euch alle, die ihr bei der Yachtwerft Klemens arbeitet. Egal als was ihr dort macht. Von der Reinigungsfrau und Mann über die Krancrew zum Schreiner und den Büroleuten. Ich bin sehr froh und überglücklich, euch alle kennengelernt zu haben.
Man kann als ein großer Kunde, wie ich es war, höchste professionelle Arbeit und Umgang erwarten. Man kann auch erwarten, dass sich alle Mitarbeiter freundlich mir gegenüber Verhalten. Aber das, was ihr mir angetan habt, ist viel mehr, als ich erwarten hätte könnte. Und ich kann, wenns sein muss, viel erwarten.
Mein Traum, auf einem Segelboot zu leben und die Welt von der Meeresseite zu besuchen, währe ohne euch nicht möglich gewesen. Ich kam als Kunde und verlasse euch als gute Bekannte und vielleicht für den einen oder anderen auch als Freund. Ich bin mir sehr sicher, dass ich euch zu vermissen werde. Für alle Menschen hier bei der Yachtwerft Klemens arbeiten, merke ich an, Vorsicht, ich komme spätestens im März 23 wieder und geh euch allen auf die Nerven. 
 Am liebsten würde ich sagen, bleibt, wie ihr seid. Aber ich weiß ja, die Welt dreht sich weiter. Wir alle Verändern und Entfalten uns. Daher sage ich auch vielen, vielen, vielen Dank und wünsche euch allen eine schöne Zeit. Wir sehen uns spätestens im März 23 wieder.
Ein spezial Danke geht natürlich an den Hannes und den Frank. Ihr zwei habt super Arbeit geleistet. Ich kann nur allen Lesern raten, wenn ihr ein Logo oder eine Webseite braucht für euer Business, dann merkt euch Brainsellers und H-Grafix.
Hallo Frau Künzel. Sie haben mit den Polstern meine Yacht ein wunderschönes Zuhause verwandelt. Alles ist in perfekter Qualität und Ausführung. Die Beratung für Farbe und Formen, die Stoffauswahl und die Lieferung sind viel mehr, als ich erwartet hätte. Sollte jemand Polster brauchen und in der Umgebung von Lübeck sein, merkt euch die Firma NoSails.
Hallo Familie. Was ich hier schreiben könnte, um das zu erklären, was ich über unseren Haufen denke und fühle, sprengt jeden Rahmen. Dazu gehören nicht nur mein Bruder, meine Schwester und meine. Da gehört mein Schwager, die ganzen Krumbacher, Brigitte, Wolfgang, Irmlind, die Osterchrists, meine Cousinen und Cousins und noch einige mehr dazu, die ich gar nicht aufzählen kann. Es ist so wunderbar, euch alle zu kennen und in meinem Herzen tragen zu dürfen. Auch ihr habt alle einen großen Anteil. Ein Teil von euch bin ich. Wer Lust und Zeit hat, kann mich gerne mal besuchen.

Hallo Muli. Wow. Jetzt wird sehr schwer für mich. Ich bin so dankbar und überglücklich, dass es dich noch gibt. Du bis mein bester Freund. Es wäre für mich eine sehr große Ehre, Dich und deine Liebsten einmal auf dem Boot begrüßen zu dürfen. Das Leben ist viel kürzer als man denkt und es passieren viel zu wenige Dinge, die man sich wirklich wünscht. Ich liebe dich.
Mir wird eben deutlich, wie viele Menschen um mich herum einen Anteil an dem haben, was ich jetzt tue. Ich merke auch gerade, dass ich nur ich bin, weil ich euch alle kenne. Jeder für sich ist ein Teil meines Lebens und meinem Ich. Ich bin der der ich bin, weil ich euch alle kenne. Viele Inspirationen, viele Erlebnisse, die krassen und tollen Sachen, die ich mit so vielen Menschen hatte, die mir so nahestehen. Wahnsinn. Es tut so gut darüber zu reflektieren. Und fühlt euch nicht unbenannt in diesem Text. Es sind so viele.
Die vielen ChaotenWGs die ich erleben durfte. Auch die, die ich selbst manchmal hatte. Die DIE PARTEI KV Fürth, RadioFürth, Asylothek, GrünerMarkt e.V., die supercoole Filtertip Crew. Die vielen Menschen in der Gustavstraße. Der Markt auf dem Waagplatz. Ein Teil vom mir vermisst euch alle sehr.
Hey, Armin und Ozzy. Die im September 21 meine ersten Gäste an Bord waren. Was für ein Vertrauen ihr hattet, einfach bei nem Typ ins Boot zu steigen, der keine Ahnung vom Segeln hat. Sensationell. Zumal ihr ja nur zum Teil wisst, was an dem Kahn für Defizite waren. Damit meine ich nicht nur meine Unkenntnis des Segelns, sondern speziell die technischen Defizite, die das Boot aufwies. Nun kann ich euch mit absoluter Beruhigung sagen, mein Kahn ist jetzt eine Yacht. Und nicht nur das, sie ist eine wunderschöne Yacht, die technisch auf einem sehr komfortablen Stand eines Einfamilienhauses mit viel Luxus 
ist. 
 Unschwer zu erkennen, das hier ist der erste Meilenstein in meinem neuen Leben. Wie lange das geht, weiß ich nicht. Das macht aber auch nichts. Ich bin gesund, nicht völlig dumm und habe offensichtlich ein gutes Händchen für nette Menschen, die sich in ihren Leben mit Passion den Aufgaben widmen, die sich ihnen stellen. Die meisten schätze ich so ein, dass sie einen Teil ihres Lebens mit ihren Träumen erleben und an deren Verwirklichung arbeiten. Wir alle könnten einen Gedanken an unser privilegiertes Leben gebrauchen. Die meisten sind gesund, Leben in einem verhältnismäßigen friedlichen Land, in dem es noch nicht an allem fehlt. Ich bin mir sicher, in den nächsten Jahren Menschen zu erleben, die nicht einmal Ansatzweise, einen solchen Traum wie den meinen träumen können. Von einer Verwirklichung völlig abgesehen. Ich hätte im Bezug auf Gleichheit und Fairness auf der Welt schon noch einige Fragen, die mit ein wenig Glück dazu beitragen können, das für die zukünftigen Generationen zu verbessern. Vielleicht fragt mich ja mal einer. Aber ich denke, ihr hättet da auch ein paar kluge Sätze parat.
Euer Thomi.

Log 23 - Der Kahn des Zorns

Hallo Leute,
jetzt mal ein kleines Update zu den vergangenen Wochen.
Nun sind fast genau 30 Tage seit meinem letzten Beitrag hier in meinem Blog vergangen, an dem ich ja das Ende der Reparaturen angekündigt hatte. 
Gestern war dann der große Tag und meine Arche hat nach 7 Monaten und 8 Tagen wieder das Wasser berührt. Auch ich war sehr berührt. 
Und was soll man sagen. Sie schwimmt.

Die letzten 4 Wochen haben wirklich einen riesigen Spaß gemacht. Es ging mit allem deutlich voran. Auch gab es keine großen Überraschungen mehr. Eine angenehme Erfahrung.
Wir bauten viel an der Elektrik, haben viele alte unbenutzt Kabel aus den Boot geholt. Ca 50 Kilo. Es wurde immer nur zugebaut, aber nie zurückgebaut. Ich finde es super, das auf diesem Weg zu lernen nicht planlos dazu zu basteln, sondern sich so viele Gedanken um die einzelnen Verbraucher zu machen. Strom muss sinnvoll abgesichert sein. Fast alle meine Geräte kann ich mit 24 Volt betrieben und brauch für (fast) nichts 230 Volt. Das beginnt beim Staubsauger, geht über die Ladegeräte von Rasierer und Zahnbürste. Ok, der Staubsauger braucht nen Akku, der nur über 230 Volt geladen werden kann. Davon habe ich aber 2 Stück und die halten ewig.
Die Arbeit am Mast verlief ohne nennenswerte Zwischenfälle. Ein kleines Problem war die 5G/LTE Antenne, die mir mit einer Telefonkarte im Router W-Lan ins Boot zaubert. Erst wollte ich die ganz oben auf dem Mast haben, das scheitere dann leider an den zu dicken Coax-Kabel die für die Länge von 20 Meter einfach nicht in den Kabelkanal des Mastes wollten. So hab ich die 5G Antenne jetzt auf halber Höhe des Mastes etwas tiefer als mein Radar. Wie gut das dann funktioniert, muss erst in verschiedenen Situationen getestet werden.
Das wird auch das Thema der nächsten 2 Jahre. Alles so oft wie möglich testen, ausprobieren und protokollieren. Dadurch kann ich hoffentlich die richtigen Entscheidungen finden.
Ebenso hat die Reinigungsarbeit im Bootsinneren gut funktioniert und ich bin fast fertig damit. Einen Schrank hab ich übersehen. Ja, ich weiß, klingt komisch. Erkläre ich im 2. Refit-Video.
Britti hat sich um die Vorbereitungen gekümmert, um ihr Haus vermieten zu können und gleichzeitig die Vorhänge genäht und hat beim sauber machen geholfen. Läuft echt gut. Im Moment teilen wir uns den Turm an der Werft, bis der Kahn fertig ist.
Jetzt ist das Schiffchen endlich im Wasser und kommt der Bezeichnung Yacht schon viel näher. Der Mast kommt wohl am Mittwoch drauf. Glück im Unglück hatten wir natürlich auch. Denn es regnete am nächsten Morgen so stark und viele Leckagen tauchten auf. Einige konnten schnell behoben werden, andere werden wohl doch ein bisschen umfangreicher. Fenster natürlich allem voran. Einige müssen auf der Reise abgedichtet werden. Ich will hier so schnell wie möglich weg. Die dazugehörigen Ersatzteile kann ich hier in der Werft besorgen. Zumal man bei den Fenstern immer auf den nächsten größeren Regen warten muss. Mit einem Eimer Wasser lassen sie diese winzigen Löcher nicht finden. Ein paar hab ich schon behoben.
Ein wenig zornig werde ich schon ab und an, denn
 natürlich verzögert sich die Abreise dadurch. Das alles bis nächstes Wochenende fertig ist, kann man auch nicht erwarten. Aber nach wie vor sind wir auf einem sehr guten Weg. Ich kann immer nur hoffen, dass der Motor keine Zicken macht. Das ist meine größte Sorge.
Die Hochphase der letzten Woche durch das Fertigstellen vieler Baustellen und das Kranen haben mich mit den Undichtigkeiten natürlich auch wieder ein wenig zu Boden geholt. Meine Laune war gestern so halb gut.
Der Armin hat mir mein Auto abgekauft und ist von dem Nic Cave Konzert in Berlin mit dem Zug nach Großenbrode gekommen. Er hat das Kranen leider verpasst, weil sein Anschlusszug in Lübeck 5 Minuten Verspätung hatte. Sehr ärgerlich. Wir hatten dafür einen schönen und lauen Sommerabend im Cockpit bei ein paar Bier. Es kann sein, dass der etwas größere Alkoholgenuss einen Tag später seinen Beitrag an meinem Down hatte. 
Kinder, lasst die Finger vom Alk.
Die Vorbereitungen um aufs Boot zu ziehen, haben diese Woche begonnen. Ich habe noch einmal 4 Umzugskartons, die ich mitgebracht hatte, aussortiert und weggeschmissen. Heute sind die Sachen, die vorher schon auf dem Boot waren, dran. Da ist so viel Schrott dabei. Wahnsinn, was der Vorgänger alles mit sich rumgeschleppt hat. Natürlich müssen ein paar Ersatzteile sein. Aber nicht mehr in dem Umfang. Ist ja fast alles neu auf dem Kahn. 
Mal schauen, wie das jetzt weiter geht. Drückt mir die Daumen.
Zu guter Letzt habe ich für die super Zusammenarbeit und den Umfang des Auftrags sogar ein Geschenk der Yachtwerft Klemens bekommen. Das neueste und größte Funkgerät von Raymarine. Ich hatte wirklich Pippi in den Augen. Ich kann das auch wirklich nur zurückgeben. Die Menschen hier waren immer aufmerksam und entspannt. Die Atmosphäre hier ist außergewöhnlich. Wo kann man schon hingehen und alle Menschen, mit denen man sich umgibt sind super? Ich kannte das vorher nicht. Vielen Dank an Herrn Schwarz und allen seinen Mitarbeitern. Ich wünsche euch allen einen angenehmen und sicheren Job und so viel grinsen im Gesicht wie ihr alle schafft.
Danke für eure Aufmerksamkeit.

Euer Thomi

Log 22 - Ich bin kurz davor...

Hallo Leute.

Nachdem ich jetzt endlich das erste Refit Video online habe konntet ihr ja schon ein paar Eindrücke gewinnen. Ich möchte das Thema nicht so detailliert schildern. Da es Youtuber gibt, die das viel besser machen als ich. So grundlegend unterscheiden sich Segelboote auch nicht. Solltet ihr ebenfalls auf so eine Schnapsidee kommen, auf einem Segelboot zu leben, schaut besser andere Videos von anderen Youtubern. Ich kann euch auch auf Nachfrage einige Links schicken. Ihr könnt aber natürlich auch mich fragen. Nach einem halben Jahr total Restaurierung eines mit Technik vollgestopften Boots, kann ich euch schon ein paar gute Tipps geben.
Ich stehe nun kurz vor der Vollendung meiner Bauarbeiten an meiner Arche. Noch ein bisschen Elektrik, Navigationselektronik und ein paar Kleinigkeiten, einmal noch ein frisches Antifouling drauf und es kann in Wasser gehen. Ich bin gespannt wie ein Flitzebogen. Ob ich überhaupt noch weiß wie es geht mein Boot zu fahren?
Ich sitz schon abends vor meinen Unterlagen und versuche mir noch mal die Beflaggung und Betonung, Ausweichregeln und sonstige Schifffahrtsvorschriften zu pauken. Aber ich befürchte bei der Technik, die ich ab jetzt an Bord habe, überlasse ich das am besten dem Computer. Hey… Nein. Natürlich nicht. Auch wenn die moderne Navigation auf See schon sehr komfortabel ist, sollte man sich schon gut mit den Regeln und Vorschriften auskennen.
Einiges ist auch auf der Webseite passiert. Der Frank war fleißig und nun ist unter jedem Artikel ein Teilen Button für einige Plattformen. Das erleichtert mir die Arbeit beim Erstellen neuer Artikel und Videos schon sehr. Ich muss nicht auf jede Sozial-Media-Plattform einzeln und mir einen Text einfallen lassen. Und natürlich auch für euch ist es einfacher Beiträge von mir zu teilen. Auch gibt es einen Text ICH. Da hab ich versucht, einen so subjektiven Eindruck von mir zu vermitteln, wie ich nur konnte.
An der AIS-Verfolgung auf der Webseite wird noch gebastelt. Würde mich schon sehr freuen, wenn das klappt. Dann könnt ihr sehen, wo ich bin und mich auch Live Verfolgen. Die Karte findet ihr auch unter dem Reiter „ICH“
Sehr schade ist, dass ich einer guten Freundin und ihrer Familie das erste Segelabenteuer absagen musste. Nachdem sich Anfang April abzeichnete, dass ich auf keinen Fall bis Ende Mai mein Boot fertig bekomme, war ich schon ein wenig desillusioniert. Das hat auch für zwei Wochen mir die Lust verhagelt. Dann kamen auch noch ein paar Tage starke Schulterschmerzen dazu und meine Laune war im Keller. Inzwischen habe ich mich wieder gefangen und bin wieder Tag und Nacht, jedes Wochenende und die verlängerten Wochenenden natürlich auch, auf dem Boot und bastle, baue und putze.
Auch die ganzen Ausrüstungsgegenstände, Beiboot, Motor, die Polster, Rettungsinsel, Rettungswesten, Handtücher, Bettwäsche, Seifen etc. sind da. Im Moment wird der neue Traveller für den Baum montiert. Auch die neuen Winschen sind da und stehen schon an Deck. Noch ein paar Fugen für das neue Deck und das sollte es dann gewesen sein. Wow. Ich bin so voller Vorfreude.
Ich möchte an dieser Stelle noch einmal die liebe Britti in den Vordergrund rücken. Ich wüsste nicht, wie ich das ohne sie gewuppt hätte. Sie hat mir Trost gespendet und Freude gebracht. Die vielen Tage, die sie mit an Bord geholfen hat, sind unvergessen und unübersehbar. Liebe Britti, vielen, vielen Dank. 
Sie wird mich auch ab Ende Juni Richtung Stockholm begleiten. Dort hoffe ich, auf Lika zu treffen. Sie ist zurzeit in Island mit dem Wohmo.
Ich habe jetzt schon so viele Coole und freudvolle Menschen getroffen und ein bisschen kennengelernt, dass ich aus voller Überzeugung sagen kann: Thomi, das war genau die richtige Entscheidung für dein Leben. Selbst dann, wenn ich nach einem Jahr keinem Bock mehr auf Boot habe. Was ich mir im Moment nicht vorstellen kann. Niemals vorher habe ich so einen Drang nach Freiheit, Freude und Glück verspürt wie das letzte Jahr.

Sobald die Reise losgeht, kann ich mich viel mehr mit Filmen, Fotos, Video-Schnitt und YouTube kümmern. Ich freu mich schon drauf, schöne Drohnenflüge und die großartige Natur Schwedens aus der Vogelperspektive sehen zu können. 
Natürlich gibt es einen Film, wenn das Boot ins Wasser kommt. Dieser wird möglicherweise vor dem Refit Teil 2 online sein.
 Vielleicht bau ich das auch in die letzte Refit Episode ein. Denn ich habe im Moment sehr viel zu tun. Ich muss z.B. noch einmal meine Umzugskartons aussortieren. Das sind 12 Stück. Davon müssen mindestens 4 weg. Oder das Boot noch zu Ende putzen. Zum Glück habe ich schon die bescheidenen Ecken hinter mir. Die Bilge zum Beispiel. Danke Britti. Aber fast der ganze Salon und die Küche stehen noch an. Das muss alles diese Woche passieren. Denn nächste Woche geht es dann darum, zu prüfen, ob alles richtig funktioniert. Denn auch diese Endabnahme dauert natürlich bei dem riesigen Umfang der Umbauarbeiten.
Und dann heißt es beten. Ja, tatsächlich. Und das sage ich als absolut überzeugter Atheist. Ich bete zu mir selbst. Und Neptun. Und für einen guten Start in mein neues Leben auf meiner Arche. 
In diesem Sinne.
Bis zum nächsten Video.

Euer Thomi.