Log 014 - Kein Weg zurück

Alles erledigt. Die Wohnung ist leer, ich habe meine übrig gebliebenen Sachen untergestellt, das Auto ist voll und ich bin startklar.

Die Beerdigung war wie eine Beerdigung so ist. Dass ich dort vor einem guten Jahr meine Rede zu meines Vaters Tod unter Tränen gehalten habe, war noch sehr präsent. Fast ein wenig zu präsent. Schön war es dann aber irgendwie dennoch. Ich habe Menschen getroffen, die schon seit über 30 Jahre nicht mehr gesehen habe.
 Die letzten Wochen waren anstrengend. Zum Glück hat alles recht gut geklappt. In der Rückschau liefen die letzten 12 Monate überraschend gut. Das Haus meines Vaters verkaufsfähig zu machen hat alleine 6 Wochen gedauert. Da sind einige Dinge schiefgelaufen. Wasser- und Heizungsrohrbruch z.B. Das ganze Wohnzimmer musste renoviert werden. Zwischen drin sah es so aus, als würden wir keinen Käufer finden. Doch dann ging alles schnell. Innerhalb von 4 Wochen war alles erledigt. Sogar die Kohle war da. Um die Firma hat sich mein Bruder gekümmert. Vielen Dank dafür.
Jetzt liegen Knapp 750 km vor mir. Mein altes Leben ist definitiv zu Ende. Es gibt jetzt im Moment zumindest keinen einfachen Weg mehr zurück. Diese Endgültigkeit ist schon krass. Eine ganz neue Emotion bemerke ich in mir. Ist das Freiheit? Ich lasse den Motor an und fahre los. Auf die A73, Auffahrt Fürth-Poppenreuth Richtung Norden. Nach dem ich schon einige Male nach oben über die A7 gefahren bin und der Verkehr und die Baustellen mich so nerven fuhr ich schon die letzten zwei Mal über die A73 und die A71 Richtung Erfurt. Bei Sassen gehts dann über die B4 zurück auf die A7 bis Hamburg und dann auf die A1 nach Heiligenhafen/Großenbrode.
Es ist inzwischen 17.00 Uhr und ich bin an meiner neuen Behausung angekommen. Ich gehe noch ins Büro der Marina und hole meine Schlüssel ab, ein paar kurze Wortwechsel mit dem Meister der Werft und ich laufe mit 2 Rollwagen der Marina Richtung Boot. Juhu, es schwimmt noch und es sieht alles so aus wie ich es verlassen habe. Ich öffne es und ziehe die Luken aus dem Rahmen des Niedergangs. Es richt ein bisschen Moder. Na ja, steht auch seit über 5 Wochen geschlossen rum.
 Es hat viel Wind und es ist bedeckt. Ein bisschen Trübe, auch mein Gemüt ist ein bisschen angekratzt. Ich erinnere mich dass es mir schon seit ein paar Tagen so geht. Es ist alles anders als vorher. Bin ich jetzt angekommen? Tatsächlich sehe ich mich im Moment noch eher weg von allem Alten als dort im Neuen angekommen. Ich denke das wird sich wohl geben. Habe einige Dinge an Bord gebracht. 2 von den 6 Umzugskartons ein paar kleinere Sachen, Kabel, Monitor, Küchenutensilien, ein paar Bücher. 
Es war verhältnismäßig kalt. Hab die Heizung angeschaltet und fast das Boot abgefackelt. Ich glaube irgendwie ist der „Schornstein“ viel zu heiß geworden und es hat das Holz unter dem Bett in der Eignerkabine und ein nahe liegendes Kabel angekokelt. Eine ziemlich starke Rauchentwicklung hat es gegeben. Zwar hat der Rauchmelder über dem Kartentisch noch nicht Alarm geschlagen, aber wenig Rauch war es auf keinen Fall. Der erste Punkt auf der ersten To-do-Liste steht. Rauchmelder in der Eignerkabine anbringen. Zum Glück habe ich es wohl noch früh genug bemerkt und die Heizung sofort wieder abgestellt und hab gelüftet. Alles ist gut gegangen. Leider habe ich noch gar keinen Plan an was das liegt. Meine Vorstellung ist, dass kein Wasser im Überdruckbehälter war und dadurch das ganze System überhitzte oder, dass der Schornstein an sich nicht dicht ist. Da muss ich noch auf die Suche nach der Ursache gehen. Aber nicht mehr heute Abend. Es ist inzwischen 20 Uhr und ich habe noch nichts gegessen. Ich mach mir auf die Schnelle ein paar Nudeln mit Pesto. Das hatte ich an Bord gelassen bevor ich zurück nach Fürth gefahren bin.
Der Wind in der Nacht war krass. Die Böen erreichten über 70 km/h. Das Schlagen des Wassers an der Bordwand war echt laut. Auch das Klingen der Leinen am Masten war nervig. So nervig, dass ich um 23 Uhr in Unterhose auf das Deck bin und habe mit zwei kurzen Schnüren die klappernden Leinen festgemacht. Ist das jetzt meine erste richtige Nacht an Bord alleine? Also die erste Nacht nach allem hinter sich lassen? Wow. Die Menge an Gedanken die mir da durch den Kopf gehen sind noch völlig unsortiert. Ich hoffe ich bekomme das alles in Griff. Ich schau mir noch eine Folge Star Trek Voyager an und schlafe ein.

Log 013 - Das erste mal alleine

Der Thomi alleine auf dem Boot. Aber halb so wild. Bin heute Vormittag von Heiligenhafen nach Großenbrode motort und habe völlig easy alleine angelegt. 
Den Auftrag das Boot zur Werft zu überführen, habe ich ohne größere Zwischenfälle erledigt.
Ich liege auf Platz 143 mitten in der Werftmarina in Großenbrode. Die Yachtwerft Klemens wird mich die nächsten Monate begleiten und mein Boot auf Vordermann bringen. Die Liste ist lang. Es geht beim Deck los und hört bei den Seeventielen auf. Dazwischen ist Rig, Elektrik, Navigation, Heizung, Motor. Das ist die grobe Beschreibung. In die Feinheiten gehe ich nach und nach ein.
Ich habe vor, am 4.9. nach Fürth zu fahren um meinem Auszug aus meiner Wohnung zu organisieren. Die nächsten 25 Tage stehen knapp 40 Termine an. Das geht von der Beerdigung der Mutter meines ältesten Freundes los, dummerweise ist das auf demselben Friedhof auf dem auch mein Vater und meine Stiefmutter beerdigt sind, bis zu Notartermin(en), Bank, Versicherung, Verein und natürlich Freunde treffen und mich Verabschieden. In so kurzen Abständen auf dem Friedhof zu sein und drei Beerdigungen zu erleben… Es fehlen mir die Worte.
Heute geh ich in die Werft und checke mal ab wie der grobe Plan ist. Die Leute in der Werft hinterlassen einen entspannten Eindruck. Es ist ein sonniger Tag und der Meister der Werft sitz mit mir im Cockpit und wir gehen die Liste der Erledigungen und Reparaturen durch. Ja, sie ist lang. Es kommt auch noch der Segelmacher wegen des Rigs und der Wanden vorbei um zu überschlagen was für ihn zu tun ist. Das Ganze dauert ca 2 Stunden.
Man bittet mich allerdings auf einen anderen Platz zu fahren. Dieser ist reserviert für einen anderen Kunden. Dummerweise ist aber keine Box frei und so muss ich direkt an den Steg am Marina Eingang seitlich anlegen. Find ich nicht so knorke. Erstens bin ich jetzt über 3 Wochen nicht da und für jemanden der so ne Menge Kohle in dem Laden lässt hätte ich mir etwas mehr Entgegenkommen gewünscht. Zweitens ist es aber nun mal so wie es ist. Wenn man keinen Platz hat, hat man keinen Platz. Auch nicht für mich.
Am nächsten Morgen klopft es an meinem Boot und ich krabble raus. Es ist der Eigner des Nachbarboots. Eine große Motorjacht. Er fragt ob ich morgen nicht auf seinen Liegeplatz Umparken will. Er kommt nicht wieder und der Platz wäre dann frei. Yes, na klar. Mein Glück… Zwar muss ich noch einen Tag länger bleiben aber für den besseren Platz warte ich gern. An allen 4 Seiten festzumachen ist einfach die bessere Variante als nur an der Steuerbordseite. Der Wind drückt mein Boot immer mal wieder mit Schwung an den Steg. Zwar hängen genug meiner Fender an der Reling, aber mit Ebbe, Flut und Wind? Der Nachbar meint er fährt Vormittag raus. Das ist zwar recht knapp für mich wegen der Fahrt nach Fürth, aber auch da lebe ich mit dem Kompromiss gerne. Außerdem ist die Aussicht auf die Bucht super. Ja, auch für die Fahrt Packen ist viel Entspannter. 

Jetzt, nachdem ich fast 4 Wochen auf dem Boot war, will ich eigentlich gar nicht mehr runter von meiner Arche. Die Zeit verging wie iin einem Traum. Alles ist neu, an so viele Erlebnisse kann ich mich super erinnern. Die 3 Tage in Heiligenhafen und der Trubel der dort herrscht, die schöne Natur auf Ærø. Mein erstes Mal alleine Anlegen und Manövrieren in Greena. Die Zeit als im unter Deck lag und zu nichts mehr fähig war. Der kleine Belt und die schöne Aussicht dort. Alle diese Erlebnisse sind so präsent als wäre es gestern passiert.
Ich werde über die Tage in Fürth wahrscheinlich nur eine Zusammenfassung schreiben können, da ich keine Zeit haben werde mich um ein fortlaufendes Logbuch zu kümmern. Ich hoffe, dass alles gut läuft und ich Ende September wieder zurück auf mein neues Zuhause komme. We will see.
Eine Frage bleibt: Was war vorher da, der Boots-Fender oder die Fender Stratocaster?

Log 012 - Autos holen Part 2

Wieder super Wetter. Sonne, Sonne, Sonne. Ozzy regt sich zurecht auf. Seine gut 2 Wochen Urlaub auf dem Boot hatte er 3 Tage schönes Wetter. Und jetzt… Na ja, das Wetterding hatten wir schon. 
 Also… Um ca 10.30 h sind wir losgefahren. In Flensburg sind wir dann noch mal einkaufen gegangen um für den Abend und die Nacht im Auto ausgerüstet zu sein. Ein bisschen was für den Grill, Kartoffelsalat, Nudelsalat, ein paar Kartoffeln hab ich vorgekocht…
Dann kam die Grenze. Diesmal nicht die an der Autobahn, sondern die Landstraßen-Grenze. Erst mal Stau. Fast alle wurden kontrolliert. Ein junger Grenzpolizist hat uns beauftragt an die Seite zu fahren und uns dann auch noch verarscht. Meinte wir sollen links ranfahren, was Ozzy dann auch machte. Dann hat er uns bei durchlaufenden Verkehr auf die rechte Seite geschickt. Ozzy war not amused und schimpfte lautstark. Bei offenem Fenster. Hmm ja… Dann noch mal meinen CovPass gezeigt und er wollte einen Ausweis. Ja, den hatte ich in meinem Auto in Aalbæk liegen. Er fragte in Deutsch was wir in Dänemark machen und warum ich keinen Ausweis dabei habe. Dann wollte er nach dem ich ihm die Geschichte des Ausweises erzählt habe, das gleiche noch mal auf Englisch. Das hat mich dann schon auch ein bisschen genervt. Er meinte, dass ich nur mit geltendem Pass nach Dänemark fahren darf. Dann fragte ich ob Dänemark nicht Schengenraum wäre. Ohne was zu sagen drehte er sich um und verschwand mit meinem Führerschein und mit Ozzys Impf- und Reisepass. Ich bekam Hals. Der junge Hüpfer meinte ich könne nicht ohne Pass Einreisen und hält mir unsere Dokumente ans Fenster. Beim danach greifen fragte ich was ich denn jetzt machen sollte um dennoch nach Dänemark zu dürfen. Wie bei einem Kleinkind zog er unsere Pässe vor meiner Hand zurück und wollte von mir tatsächlich hören, dass ich das nicht wieder machen werde. Ich kochte. Ich war so sauer auf diese völlig verblödete Schikane. Er lies uns genau zum richtigen Zeitpunkt weiterfahren. Das was ich zu ihm gesagt hätte, wäre für die Einreise nach Dänemark nicht hilfreich gewesen. Wir brauchten locker ne Stunde um wieder runterzukommen. Ich habe mir Europa ehrlicherweise irgendwie anderes vorgestellt. Corona hin oder her.
Ich hing mich an mein Telefon und surfte ein wenig auf meinen verschiedenen Sozialmedia-Seiten herum.

Ich könnte jetzt noch ne Erklärung für die verschiedenen Auto-Kennzeichen in Dänemark geben… 4 verschieden aussehende Nummernschilder haben die hier. Ist aber eher trockener Stoff und total egal.
Vor Aalborg (ja, da kommen alle Borg her) war noch Stau an dem Tunnel unter dem Kanal durch. 15 min kostete der uns.
In Aalbæk angekommen haben wir uns noch an der Stichstraße zur Marina an dem RENA 1000 Supermarkt noch ein paar Sachen für die Übernachtung gekauft. Ich hatte auf Google Maps einen Grillplatz gefunden der für unsere Übernachtung perfekt gewesen wäre.

Jetzt war ich wahrscheinlich zum letzten mal in meinem Leben in Åalbæk. Das hatte schon fast was Nostalgisches. Ich war 3x hier um alles mit dem Boot ausmachen zu können. Die erste Besichtigung, der Kaufvertrag und das Gutachten fanden hier statt. Komische melancholische Gefühle kamen auf. Hab sie wohl noch nicht völlig verarbeitet. Alles um meinem Plan vor 1,5 Jahren bis zum Kauf meines Segelboots schoss mir durch den Kopf. Von heute aus betrachtet hatte die Zeit gefühlt eine ganze Lebensspanne umfasst und jetzt ist alles am laufen. Die Werft wartete schon auf mich und dann kann der Umbau losgehen. Die Vollendung meines Traums hat definitiv begonnen. Ein echtes, reales und hammergeiles Gefühl.
Wir fuhren los zu unserem Übernachtungsplatz. Doch leider war die Einfahrt bis zum Platz durch eine Schranke versperrt. Wir mussten ca 500 m laufen. Ohne unsere Schlafplätze/Autos an dem Grillplatz zu haben, hatten wir dann doch keine Lust auf diesen Schlafplatz. Er lag so schön mitten im Wald an einem Bach. Superidyllisch. So ein Mist. Wir mussten einen anderen Schlafplatz suchen. Die Zeit drängte doch ein bisschen. Es dämmerte schon.
Ich erinnerte mich an einen sehr schönen Rastplatz an der Landstraße von Aalbæk nach Hirtshals an dem ich schon einmal gehalten habe. Sehr schön angelegt. Tische und Bänke mit Lehne zum gemütlich sitzen und warmes Wasser in den sehr gepflegten Toilettenhäusern. Inkl. Heizung. Eine recht gute Alternative. Ohne Stechmücken.
Ich packte den ersten Einweggrill den ich jemals besessen habe aus und wir brutzelten unser Essen. Ein bisschen windig war es zwar, stellte aber kein großes Problem dar. Mit Ozzys Stirnlampe und 2 Kerzen konnten wir auch genug Helligkeit zum Essen erzeugen. Hatte schon fast was Romantisches. Wir tranken noch ein Bier und legten uns jeder in sein Auto um Schlafen zu gehen. Die Nacht war ruhig und ereignislos.
Der Lkwfahrer der auch an dem Rastplatz übernachtete fuhr um 6 h in der früh los und weckte mich auf. Langsam krabbelte ich aus meinem Schlafsack heraus und wir machten uns zügig auf den Weg um zu einem Kaffee zu kommen. Kaffee in der früh ist wichtig. Wir fanden eine Raststätte auch gleich nach der Autobahneinfahrt.
Die Rückfahrt war anfänglich neblig. Sehr neblig. Manchmal unter 50 m Sichtweite. Zum Glück war wenig Verkehr auf der Autobahn und wir konnten gemütlich und entspannt Richtung Deutschland fahren. Bei Rendsburg, das ist in einem Dreieck zwischen Eckernförde und Kiel, hielten wir noch an einem Parkplatz um uns zu verabschieden. Ozzy fuhr weiter Richtung Fürth und ich nach Osten nach Heiligenhafen. Mein erster Abend ganz alleine auf meinem Boot stand bevor.