Ría de Muros e Noia: Wildpferde, eine 2400 Jahre alte Ruine und eine Fiesta, vor der wir geflohen sind
Manche Reviere hakt man ab, andere brennen sich ein. Die Ría de Muros e Noia gehört zur zweiten Sorte. In Folge 84 haben wir mit unserer Hallberg-Rassy 45 einen der ruhigeren Winkel Galiciens erkundet – und dabei mehr erlebt, als eine so kleine Ría vermuten lässt. Neu an Bord war Rainer, der zum ersten Mal mit uns segelte.
Los ging es in Portosín. Von dort war es nur ein kurzer Schlag hinüber zur Ankerbucht vor der Praia de Aguieira, wo wir zwei Nächte blieben. Feiner Sand, klares Wasser und die Sorte Ruhe, wegen der man überhaupt erst aufs Boot zieht. Britti nutzte die Gelegenheit und paddelte mit dem SUP den Fluss Cans hinauf – eine dieser kleinen Touren, die man nicht plant, die aber am Ende zu den schönsten Erinnerungen werden.
Dann wurde es laut. In Muros, wo wir die nächsten zwei Nächte lagen, feierte der ganze Ort die Fiesta de la Virgen del Carmen, das Fest der Schutzpatronin der Seeleute. Geschmückte Boote, eine Prozession über das Wasser, Feuerwerk über dem Hafen – ein Spektakel, das man als Segler einmal miterlebt haben sollte. Und trotzdem: Nach zwei Nächten mitten im Trubel hatten wir genug. Wir haben bewusst die Leinen losgemacht und sind zurück in unsere stille Bucht gezogen. Manchmal ist die beste Entscheidung, dem Fest den Rücken zu kehren, bevor es einem zu viel wird.
Von der Bucht aus wurde es dann sportlich. Zu Fuß ging es hinauf auf den Monte Iroite, mit 685 Metern der höchste Gipfel der Serra do Barbanza. Unterwegs kreuzten Wildpferde unseren Weg – frei laufend, wie es sie in Galicien noch gibt. Oben öffnete sich der Blick weit über die Ría de Muros e Noia und die benachbarte Ría de Arousa, ein Panorama, das jeden Schweißtropfen des Aufstiegs wert war.
Zum Abschluss ein Sprung tief in die Vergangenheit: der Castro de Baroña, eine rund 2400 Jahre alte befestigte Siedlung, die auf einer Landzunge direkt im Meer liegt. Etwa 20 Häuser sind bis heute erhalten, kreisrunde Steinfundamente, umspült von der Brandung. Man steht dort und spürt, wie lange Menschen dieser Küste schon vertrauen.
Und noch etwas Neues gibt es in dieser Folge zu sehen: Britti zeigt zum ersten Mal ihren Mikro-Makramee-Schmuck – filigrane Stücke, an denen sie an Bord arbeitet.
Ría de Muros e Noia in einer Folge: Strand und Stille, ein Fest und die Flucht davor, Wildpferde auf dem Berg und eine Ruine aus der Eisenzeit. Genau die Mischung, wegen der wir segeln.
S4 F5 - Wildpferde, 2400 Jahre alte Ruine & eine Fiesta in Galicien
