Fast am Ziel – und dann kommt alles anders

Es fühlt sich an, als hätten wir die letzten Monate nichts anderes getan, als zu schrauben, zu bohren und zu planen. Die Liste der Arbeiten an Bord war lang – zu lang – doch nun scheint das Ende greifbar. Ich baue den neuen Schaltkasten für unsere Rollanlage an, verlege die dickeren Kabel, bohre Löcher ins Deck und kümmere mich nebenbei auch noch um den Motor. Jeder Handgriff bringt uns einen Schritt näher an die Abfahrt.

Und dann der Moment, der alles kippt: Die nagelneue Rollanlage, auf die wir so lange gewartet haben, macht keinen Mucks mehr. Beim Test lief sie noch perfekt – jetzt herrscht Stillstand. Es ist einer dieser Momente, in denen man am liebsten alles stehen und liegen lassen würde.

Während ich versuche, den Fehler zu finden, erlebt Britti einen Traumtag auf dem Wasser. Sie segelt als Crew auf einer Dragon von 1957 – einem Boot, das Geschichte atmet und schon viele Regatten gesehen hat. Es ist ein Kontrast, der kaum größer sein könnte: Während sie mit dem Wind spielt, kämpfe ich unter Deck mit Kabeln, Werkzeug und der Zeit.

Denn die läuft unaufhaltsam. Unser erster Gast, mein guter Freund Bernd, ist unterwegs zu uns. Wir freuen uns riesig auf ihn – doch gleichzeitig steht die Frage im Raum, ob wir überhaupt mit ihm segeln können. Schlaf gibt es in diesen Tagen kaum, die Arbeit hört nicht auf, und zwischen Chaos und Vorfreude bleibt nur die Hoffnung, dass am Ende doch noch alles klappt.

Diese Episode zeigt, wie nah Triumph und Frust an Bord beieinander liegen – und warum Segeln nicht nur aus schönen Sonnenuntergängen besteht, sondern auch aus langen Nächten, schmutzigen Händen und dem unerschütterlichen Willen, weiterzumachen.