Log 013 - Das erste mal alleine

Der Thomi alleine auf dem Boot. Aber halb so wild. Bin heute Vormittag von Heiligenhafen nach Großenbrode motort und habe völlig easy alleine angelegt. 
Den Auftrag das Boot zur Werft zu überführen, habe ich ohne größere Zwischenfälle erledigt.
Ich liege auf Platz 143 mitten in der Werftmarina in Großenbrode. Die Yachtwerft Klemens wird mich die nächsten Monate begleiten und mein Boot auf Vordermann bringen. Die Liste ist lang. Es geht beim Deck los und hört bei den Seeventielen auf. Dazwischen ist Rig, Elektrik, Navigation, Heizung, Motor. Das ist die grobe Beschreibung. In die Feinheiten gehe ich nach und nach ein.
Ich habe vor, am 4.9. nach Fürth zu fahren um meinem Auszug aus meiner Wohnung zu organisieren. Die nächsten 25 Tage stehen knapp 40 Termine an. Das geht von der Beerdigung der Mutter meines ältesten Freundes los, dummerweise ist das auf demselben Friedhof auf dem auch mein Vater und meine Stiefmutter beerdigt sind, bis zu Notartermin(en), Bank, Versicherung, Verein und natürlich Freunde treffen und mich Verabschieden. In so kurzen Abständen auf dem Friedhof zu sein und drei Beerdigungen zu erleben… Es fehlen mir die Worte.
Heute geh ich in die Werft und checke mal ab wie der grobe Plan ist. Die Leute in der Werft hinterlassen einen entspannten Eindruck. Es ist ein sonniger Tag und der Meister der Werft sitz mit mir im Cockpit und wir gehen die Liste der Erledigungen und Reparaturen durch. Ja, sie ist lang. Es kommt auch noch der Segelmacher wegen des Rigs und der Wanden vorbei um zu überschlagen was für ihn zu tun ist. Das Ganze dauert ca 2 Stunden.
Man bittet mich allerdings auf einen anderen Platz zu fahren. Dieser ist reserviert für einen anderen Kunden. Dummerweise ist aber keine Box frei und so muss ich direkt an den Steg am Marina Eingang seitlich anlegen. Find ich nicht so knorke. Erstens bin ich jetzt über 3 Wochen nicht da und für jemanden der so ne Menge Kohle in dem Laden lässt hätte ich mir etwas mehr Entgegenkommen gewünscht. Zweitens ist es aber nun mal so wie es ist. Wenn man keinen Platz hat, hat man keinen Platz. Auch nicht für mich.
Am nächsten Morgen klopft es an meinem Boot und ich krabble raus. Es ist der Eigner des Nachbarboots. Eine große Motorjacht. Er fragt ob ich morgen nicht auf seinen Liegeplatz Umparken will. Er kommt nicht wieder und der Platz wäre dann frei. Yes, na klar. Mein Glück… Zwar muss ich noch einen Tag länger bleiben aber für den besseren Platz warte ich gern. An allen 4 Seiten festzumachen ist einfach die bessere Variante als nur an der Steuerbordseite. Der Wind drückt mein Boot immer mal wieder mit Schwung an den Steg. Zwar hängen genug meiner Fender an der Reling, aber mit Ebbe, Flut und Wind? Der Nachbar meint er fährt Vormittag raus. Das ist zwar recht knapp für mich wegen der Fahrt nach Fürth, aber auch da lebe ich mit dem Kompromiss gerne. Außerdem ist die Aussicht auf die Bucht super. Ja, auch für die Fahrt Packen ist viel Entspannter. 

Jetzt, nachdem ich fast 4 Wochen auf dem Boot war, will ich eigentlich gar nicht mehr runter von meiner Arche. Die Zeit verging wie iin einem Traum. Alles ist neu, an so viele Erlebnisse kann ich mich super erinnern. Die 3 Tage in Heiligenhafen und der Trubel der dort herrscht, die schöne Natur auf Ærø. Mein erstes Mal alleine Anlegen und Manövrieren in Greena. Die Zeit als im unter Deck lag und zu nichts mehr fähig war. Der kleine Belt und die schöne Aussicht dort. Alle diese Erlebnisse sind so präsent als wäre es gestern passiert.
Ich werde über die Tage in Fürth wahrscheinlich nur eine Zusammenfassung schreiben können, da ich keine Zeit haben werde mich um ein fortlaufendes Logbuch zu kümmern. Ich hoffe, dass alles gut läuft und ich Ende September wieder zurück auf mein neues Zuhause komme. We will see.
Eine Frage bleibt: Was war vorher da, der Boots-Fender oder die Fender Stratocaster?

Log 012 - Autos holen Part 2

Wieder super Wetter. Sonne, Sonne, Sonne. Ozzy regt sich zurecht auf. Seine gut 2 Wochen Urlaub auf dem Boot hatte er 3 Tage schönes Wetter. Und jetzt… Na ja, das Wetterding hatten wir schon. 
 Also… Um ca 10.30 h sind wir losgefahren. In Flensburg sind wir dann noch mal einkaufen gegangen um für den Abend und die Nacht im Auto ausgerüstet zu sein. Ein bisschen was für den Grill, Kartoffelsalat, Nudelsalat, ein paar Kartoffeln hab ich vorgekocht…
Dann kam die Grenze. Diesmal nicht die an der Autobahn, sondern die Landstraßen-Grenze. Erst mal Stau. Fast alle wurden kontrolliert. Ein junger Grenzpolizist hat uns beauftragt an die Seite zu fahren und uns dann auch noch verarscht. Meinte wir sollen links ranfahren, was Ozzy dann auch machte. Dann hat er uns bei durchlaufenden Verkehr auf die rechte Seite geschickt. Ozzy war not amused und schimpfte lautstark. Bei offenem Fenster. Hmm ja… Dann noch mal meinen CovPass gezeigt und er wollte einen Ausweis. Ja, den hatte ich in meinem Auto in Aalbæk liegen. Er fragte in Deutsch was wir in Dänemark machen und warum ich keinen Ausweis dabei habe. Dann wollte er nach dem ich ihm die Geschichte des Ausweises erzählt habe, das gleiche noch mal auf Englisch. Das hat mich dann schon auch ein bisschen genervt. Er meinte, dass ich nur mit geltendem Pass nach Dänemark fahren darf. Dann fragte ich ob Dänemark nicht Schengenraum wäre. Ohne was zu sagen drehte er sich um und verschwand mit meinem Führerschein und mit Ozzys Impf- und Reisepass. Ich bekam Hals. Der junge Hüpfer meinte ich könne nicht ohne Pass Einreisen und hält mir unsere Dokumente ans Fenster. Beim danach greifen fragte ich was ich denn jetzt machen sollte um dennoch nach Dänemark zu dürfen. Wie bei einem Kleinkind zog er unsere Pässe vor meiner Hand zurück und wollte von mir tatsächlich hören, dass ich das nicht wieder machen werde. Ich kochte. Ich war so sauer auf diese völlig verblödete Schikane. Er lies uns genau zum richtigen Zeitpunkt weiterfahren. Das was ich zu ihm gesagt hätte, wäre für die Einreise nach Dänemark nicht hilfreich gewesen. Wir brauchten locker ne Stunde um wieder runterzukommen. Ich habe mir Europa ehrlicherweise irgendwie anderes vorgestellt. Corona hin oder her.
Ich hing mich an mein Telefon und surfte ein wenig auf meinen verschiedenen Sozialmedia-Seiten herum.

Ich könnte jetzt noch ne Erklärung für die verschiedenen Auto-Kennzeichen in Dänemark geben… 4 verschieden aussehende Nummernschilder haben die hier. Ist aber eher trockener Stoff und total egal.
Vor Aalborg (ja, da kommen alle Borg her) war noch Stau an dem Tunnel unter dem Kanal durch. 15 min kostete der uns.
In Aalbæk angekommen haben wir uns noch an der Stichstraße zur Marina an dem RENA 1000 Supermarkt noch ein paar Sachen für die Übernachtung gekauft. Ich hatte auf Google Maps einen Grillplatz gefunden der für unsere Übernachtung perfekt gewesen wäre.

Jetzt war ich wahrscheinlich zum letzten mal in meinem Leben in Åalbæk. Das hatte schon fast was Nostalgisches. Ich war 3x hier um alles mit dem Boot ausmachen zu können. Die erste Besichtigung, der Kaufvertrag und das Gutachten fanden hier statt. Komische melancholische Gefühle kamen auf. Hab sie wohl noch nicht völlig verarbeitet. Alles um meinem Plan vor 1,5 Jahren bis zum Kauf meines Segelboots schoss mir durch den Kopf. Von heute aus betrachtet hatte die Zeit gefühlt eine ganze Lebensspanne umfasst und jetzt ist alles am laufen. Die Werft wartete schon auf mich und dann kann der Umbau losgehen. Die Vollendung meines Traums hat definitiv begonnen. Ein echtes, reales und hammergeiles Gefühl.
Wir fuhren los zu unserem Übernachtungsplatz. Doch leider war die Einfahrt bis zum Platz durch eine Schranke versperrt. Wir mussten ca 500 m laufen. Ohne unsere Schlafplätze/Autos an dem Grillplatz zu haben, hatten wir dann doch keine Lust auf diesen Schlafplatz. Er lag so schön mitten im Wald an einem Bach. Superidyllisch. So ein Mist. Wir mussten einen anderen Schlafplatz suchen. Die Zeit drängte doch ein bisschen. Es dämmerte schon.
Ich erinnerte mich an einen sehr schönen Rastplatz an der Landstraße von Aalbæk nach Hirtshals an dem ich schon einmal gehalten habe. Sehr schön angelegt. Tische und Bänke mit Lehne zum gemütlich sitzen und warmes Wasser in den sehr gepflegten Toilettenhäusern. Inkl. Heizung. Eine recht gute Alternative. Ohne Stechmücken.
Ich packte den ersten Einweggrill den ich jemals besessen habe aus und wir brutzelten unser Essen. Ein bisschen windig war es zwar, stellte aber kein großes Problem dar. Mit Ozzys Stirnlampe und 2 Kerzen konnten wir auch genug Helligkeit zum Essen erzeugen. Hatte schon fast was Romantisches. Wir tranken noch ein Bier und legten uns jeder in sein Auto um Schlafen zu gehen. Die Nacht war ruhig und ereignislos.
Der Lkwfahrer der auch an dem Rastplatz übernachtete fuhr um 6 h in der früh los und weckte mich auf. Langsam krabbelte ich aus meinem Schlafsack heraus und wir machten uns zügig auf den Weg um zu einem Kaffee zu kommen. Kaffee in der früh ist wichtig. Wir fanden eine Raststätte auch gleich nach der Autobahneinfahrt.
Die Rückfahrt war anfänglich neblig. Sehr neblig. Manchmal unter 50 m Sichtweite. Zum Glück war wenig Verkehr auf der Autobahn und wir konnten gemütlich und entspannt Richtung Deutschland fahren. Bei Rendsburg, das ist in einem Dreieck zwischen Eckernförde und Kiel, hielten wir noch an einem Parkplatz um uns zu verabschieden. Ozzy fuhr weiter Richtung Fürth und ich nach Osten nach Heiligenhafen. Mein erster Abend ganz alleine auf meinem Boot stand bevor.

Log 011 - Autos holen Part 1

Ozzy ist in Aarhus zugestiegen und somit müssen wir auch dort sein Auto holen. Eigentlich war geplant, dass wir mit einem Mietwagen nach Aarhus fahren, dort den Mietwagen abgeben und dann weiter mit Ozzys Auto nach Aalbæk zu meinem Auto fahren. Das hätte aber knapp 800 Euro gekostet. Einen Mietwagen in Oldenburg in Holstein holen und ihn dort auch wieder abgeben, kostet 90 Euro. Gefahrene Kilometer frei. Das ist so crazy. Somit war klar, wir fahren erst nach Aarhus und fahren wieder zum Boot nach Heiligenhafen zurück. Der Nachteil: Die ganze Auto Abholnummer dauert 2 Tage und bedeutet 600 km mehr fahren.
Wir hatten somit in 3 Wochen einen der schönsten Tage den wir im Auto verbringen. Wir mussten natürlich bei dem schlechtesten Wetter segeln. Gleich mal so zum Eingewöhnen. Aarhus schwerer Regen. Ca. 50 Literflaschen, die über dir jemand in 1 Stunde über den Kopf schüttet. Ich hatte noch nie so nasse Schuhe. Nicht mal beim Kajak fahren. 
2 m Welle bei einem 15-m/s-Wind. 2 Tage am Stück. Per sagte mir so als Nebenbeihinweis, was das Boot aushält: „You are the limitation, not the boat.“ Hätte aber trotzdem gern auf 2x von den 20x Kotzen verzichtet. OK…
Falsches Thema….
Also Montag Früh um 8.30 h waren wir mit der Hilfe eines Taxis bei AVIS Autovermietung in Oldenburg angekommen. Ich musste feststellen, dass ich das Auto für den 6.9. gebucht hatte und nicht für den 31.8. Scheiß Klickie-Buntie-Internet. Thomi…Der Super-Mietwagen-Checker, aber den Kalender auf der AVIS Seite nicht richtig klicken können. Aktion Autos holen fängt ja super an.
Sie hatten glücklicherweise dann doch einen Opel Corsa. Gar nicht schlecht die Kiste. Automatik mit Tempomat und Spurhalteassistent. Wir sind dann ca. um 9 h in Oldenburg in Holstein losgefahren. Von dort aus sind es ungefähr 70 km teils Landstraße und ein kurzes Stück Autobahn. An der Grenze bei Flensburg haben die dänischen Grenzpolizisten uns an die Seite gebeten und wollten obligatorisch die Impfpässe sehen und haben gefragt was wir denn in Dänemark machen. Wir waren höflich und auch ein bisschen nett und meinten, dass wir den Ozzy sein Auto holen. Worauf er gefragt hat ob es liegen geblieben sei was ich aber mit einer schnell zusammengefassten Segel-Kurzgeschichte erklären konnte und wir fuhren weiter.
Vor Aarhus war dann noch ein kleiner Stau durch den wir aber nach 15 Minuten durch waren.
Gegen Mittag waren wir in Aarhus, Wir fanden dann nach einigem Suchen den Parkplatz auf den wir Ozzys Auto gestellt hatten. Bei der Rückreise nach Deutschland gibt es keine Grenzkontrollen. Nur Schleierfahndung die inzwischen deutschlandweit erlaubt ist. Die Polizei darf wahllos und ohne Grund Autos anhalten und wenn Bock auch durchsuchen. Ich finde wir entwickeln uns zu einem komischen Land.
Wie auch immer…. Es gab keine weiteren Zwischenfälle. Den Mietwagen haben wir um ca. 17 h zurückgeben können und es war jemand von AVIS da. Die unangenehme Schlüssel in Briefkasten werfen Nummer entfiel. Find ich komisch wenn dann ein Mensch um den Mietwagen herum läuft und nach Schäden sucht ohne das ich dabei bin.
Nach einer Tagesleistung von 670 km, noch was Einkaufen… Äh… ich meine Bier kaufen. Na ja, wir haben schon noch was anderes auch gekauft. Eine Vitamin C reiche Zitrone. Für Cuba Libre. Um 19 h waren wir wieder auf dem Boot. Wir waren recht müde. Autofahren ist schon anstrengend. Es kann aber auch ein Bier oder der Cuba Libre gewesen sein, was uns müde machte. Ozzy und ich hatten noch Nudeln vom Sonntag übrig…. Kein Streß mehr für heute und Auftrag erfüllt. Morgen geht es zum 2. Part Auto in Dänemark abholen.